Donnerstag, 17. März 2011

Einkaufen

Ich musste heute einkaufen. Leider. Das "leider" steht im Gegensatz zu dem, was Männer im allgemeinen den Frauen gerne andichten: Machen sie doch gerne!
Nachdem mir dann auch noch eine Freundin eine E-Mail zukommen lies, die einen Anhang mit Frauenspezifischen VHS-Kursen enthielt (unter anderem "Einkaufen unter 4 Std"), denke ich wird es Zeit, die Wahrheit zu erzählen.

Nein. Frauen kaufen nicht gern ein. Es ist eine Lüge! Diese Unwahrheit wird von mächtigen Vertretern der männlichen Spezies immer wieder öffentlichkeitswirksam verbreitet und mit dubiosen Studien unterlegt. Dabei ist es wie mit so vielen anderen Studien auch: sieht man die Auftraggeber der Studie, dann weiß man das Ergebnis.

Hier ist die Wahrheit:
Wir werden gezwungen, zum Erhalt der Sippschaft Orte aufzusuchen, die eine temporäre Erhöhung der Herzfrequenz zur Folge haben. Gleichzeitig steigt der Adrenalinpegel und der Hormonhaushalt gerät aus den Fugen.

Um das zu verstehen, muss man wissen, welche Anforderungen das simple einsammeln von Lebensmitteln an eine Frau stellt.
Exemplarisch habe ich einen Ablauf dargestellt: (falls Bedarf besteht, kann ich gerne eine PP Präsentation entwickeln, um die angebotenen VHS-Kurse um eine entscheidende Lehreinheit zu erweitern...)

Morgens, alles im Haus ist noch ruhig und entspannt, da entdeckt der männliche Mitbewohner, dass nicht mehr ausreichend Obst im Haus ist, um seinen täglichen Bedarf zu decken. Der sich daraus ergebende, anhaltend vorwurfsvolle Blick reicht aus, um der weiblichen Mitbewohnerin deutlich zu machen: Ich verhungere! Die sich dem körperlichen Wohl ihres Anhangs verpflichtet fühlende weibliche Mitbewohnerin beginnt also das einsammeln von Lebensmitteln wie folgt:

Parkplatz suchen und einparken. Wäre kein Problem, wenn nicht ein alter Herr, der sich fast nicht bewegen kann, aber ein Auto fährt, dass groß und unhandlich ist, meint, Parkplätze gebe es verschwenderisch viele in der Stadt und man könne nicht von ihm erwarten, bei seinem Alter, der fehlenden Beweglichkeit und der Größe seines Autos platzsparend einzuparken. Also muss man ziemlich weit weg vom Eingang parken. Der ständig an günstigen Orten plazierte Einkaufschip liegt leider im Auto des männlichen Mitbewohners.

Durch den Regen in den Laden rennen, um an der Information das vorhandene 2-Euro Stück in zwei 1-Euro Stücken umzutauschen, damit man sich einen Einkaufswagen holen kann. Leider ist vor einem ein Ehepaar an der Reihe, dass sich einen Mobilfunkvertrag erklären lässt, um das besonders günstige Angebot des Ladens zu prüfen.
Die Blumenverkäuferin nebenan ist gnädig und tauscht um. Wir nehmen uns vor, dort auch mal einen Blumentopf zu kaufen.

Wagen holen und die ersten Früchte sammeln. Leider hat die Waage keine Bons mehr und das gesammelte Obst kann nicht gewogen werden. Gleichzeitig reißt der dünne Plastikbeutel, in den die lose Ware gepackt wird an einer strategisch schlechten Stelle: unten. Alle Äpfel kullern durch den Verkaufsraum. Bananen sind entweder grün oder überreif. Das Einsammeln der Äpfel inklusive das Auswählen weiterer Früchte kostet viel Zeit. Nach einer halben Stunde kann der Obst - und Gemüsestand verlassen werden.

Es folgen das auswählen von Wurst (leider nur ein Teil des Bedarfs, weil ein anderer Laden die Wurst hat, die viel besser schmeckt), Käse (siehe Wurst) und Brot, zu bevorratenden Lebensmitteln wie Kaffee, Tee und Haferflocken. Die Grundlagen, die man braucht, um einen Haushalt funktionsfähig zu erhalten, wie Reinigungsmittel, Toilettenpapier, Waschmittel etc werden eingesammelt.
Der Einkaufswagen kommt an seine Kapazitätsgrenzen.
Leider hat sich mittlerweile das rechte Vorderrad verklemmt und der Wagen lässt sich nicht mehr richtig lenken. Der im Mittelgang aufgetürmte Berg von Cerialienpaketen kann knapp umfahren werden und die zwingend notwendigen Lenkungsmanöver kosten einen Fingernagel.
Als Letztes fehlt noch der Kasten mit Mineralwasser. Leider ist die bevorzugte Sorte entweder: a) fast alle, und nur noch ein paar wenige Flaschen vorhanden, oder aber b) der Turm der Kästen ist so hoch, dass man auch als normal gewachsene Frau keine Chance hat, einen Kasten zu ergreifen ohne das Gleichgewicht zu verlieren.
Kraftmeiernde coole Motorradfahrer, die einem mal eben einen Kasten von da oben runterholen sind meist nicht verfügbar.

Das Finale erreicht uns an der Kasse. Wir warten. Die Schlange vor uns ist lang. Dann wuchten wir ca 50 Kilo Waren auf das Band - im Eiltempo, versteht sich, stellen fest, dass das Obst noch gewogen werden muss, rennen deshalb nochmal quer durch den Laden und bekommen schließlich eine exorbitante Rechnung. Selig lächeln wir, wir haben es geschafft. Für erste. Einräumen ins Auto (bei Regen) und ausräumen zuhause (bei Regen) kommt ja noch. Dennoch, nichts kann unser seliges Lächeln vertreiben.

Und hinter uns steht der alte Herr aus der Parkbucht mit dem dicken Auto, guckt freundlich und sagt: " Frauen. Ich versteh gar nicht, warum die so gerne einkaufen."

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

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