Donnerstag, 5. Mai 2011

Noch ein Artikel

Kennen Sie den deutschen Ethikrat?

Der Ethikrat befasst sich mit ethisch relevanten Fragestellungen, die sich aus dem Kontext von Gesellschaft und Wissenschaft ergeben und versuchen die Folgen bestimmter wissenschaftlicher Erkenntnisse auf das gesellschaftliche Leben und die Bedeutung Einzelner zu ergründen und zu bewerten.

Warum erzähle ich das? 

Weil ich heute morgen einen Artikel in meiner Zeitung über PID (Präimplantationsdiagnostik) gelesen habe. 
Seitdem bin ich gedanklich auf einen Schlag in den 70iger Jahren, mit der Wut im Bauch, die ich schon damals empfand.

Wussten Sie, dass bis 1974 Frauen ihren Mann um Erlaubnis bitten mussten, um arbeiten gehen zu dürfen?
Wussten Sie, dass die Frauen, die in den 70iger Jahren abgetrieben haben, einen Spießrutenlauf absolvieren mussten?

Nun könnte man sagen: 70iger Jahre, dass ist lange her, das passt heute alles nicht mehr!

Leider ist das nicht so. In Zeiten, in denen tatsächlich noch diskutiert werden muss, ob es eine Quote in Vorständen geben sollte (Aber selbstverständlich sollte es das!), da diskutiert also u.a. auch der deutsche Ethikrat, ob PID in Deutschland zu erlauben sei.

Wussten Sie, dass man bei begründetem Verdacht auf schwerste Behinderungen eines Ungeborenen eine Abtreibung bis in ein Schwangerschaftsstadium hinein vornehmen lassen darf, bei dem Frühchen gute Überlebenschancen haben?
Und wie sieht so eine "Abtreibung" aus?
Das Kind wird totgespritzt und die Mutter muss es mit Geburtsschmerzen auf die Welt bringen.

Mit PID können Embryonen ausgewählt werden, die von Erbkrankheiten unbelastet sind.

Gegner der PID sprechen gern von "Designerbabies" und manche Behindertenverbände wehren sich dagegen, weil sie mutmassen, dass die Selektion von gesunden Embryonen ihre behinderten Mitglieder diskriminiert.
Religiöse Vertreter sagen, es gibt kein Recht auf ein gesundes Kind.

Was sage ich? Ich sage, frauenfeindlicher geht es nicht mehr. Eine Spätabtreibung mit den gesundheitlichen Folgen darf eine Frau erleben, aber die Auswahl einer Zellkultur ist böse.
Es erinnert mich an üble Diskussionen in den 70igern und 90iger Jahren über Abtreibung. Und an meine Entscheidung, mich niemals einem Gesetz zu beugen, dass sich das Recht anmaßt, über den Inhalt meines Uterus zu entscheiden. 

Wie sieht die gesellschaftliche und materielle Unterstützung von Familien mit behinderten Kindern aus? Fragt man Betroffene, dann wird einem bewusst, dass die politisch-religiösen Würdenträger, die sich der PID widersetzen, sich in der Unterstützung von betroffenen Familien nicht gerade ein Bein ausreißen, sondern gern an deren finanzieller Unterstützung noch ein bisschen mehr abknapsen.
Wer kümmert sich immer noch in 97% der Fälle um die Pflege des behinderten Kindes? Es sind die Frauen. Wer diese Zahl nicht glauben mag, der sollte doch mal in einer Werkstatt für Behinderte nachfragen, wer von den Elternteilen der maßgebliche Kümmerer ist.
Und wer wird nach Jahren der Familienarbeit, Verzicht auf eigene berufliche Karriere, im Falle einer Trennung aufgefordert, sich schnell Arbeit zu suchen und bekommt mitgeteilt, dass eine Vollzeitarbeit zumutbar ist, wenn das Kind in Betreuung gegeben werden kann?
Wer sieht am Ende des Arbeitslebens auf seinen Rentenbescheid und könnte in Tränen ausbrechen, weil man auf ergänzende Leistungen angewiesen ist?

Mädels, stimmt mit den Füßen ab. Lasst euch nicht unterstellen, ihr wolltet Designerbabies. Wer noch nie eine Schwangerschaft erlebt hat, wer noch nie bitteren Verzicht geübt hat, weil Rohmilchkäse, Kaffee, Alkohol, Nikotin ungesund für das Ungeborene ist, wer noch nie mit der Ungewissheit leben musste, dass das in Liebe gezeugte und unter Schmerzen geborene Baby möglicherweise nicht älter als drei Jahre wird - der sollte hier einfach mal die Klappe halten.
Lasst es Euch nicht gefallen, dass andere, die nicht in euren Schuhen laufen müssen,  über die Gesundheit eurer Kinder bestimmen. Ziviler Ungehorsam! 

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

P.S. Der Ethikrat besteht aus 26 Mitgliedern. Davon sind 8 weiblich. Und 4 (männliche) Theologen. 


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