Freitag, 30. September 2011

Schuld und Sühne

Was haben der "U-Bahn-Schläger" Thorben P. und der Kindermörder Olaf H. (Mörder von Mirco)  gemeinsam?

Sie sagen, sie bereuen ihre Taten.

Jetzt ist es mit solchen Aussagen ähnlich, wie mit Papier. Papier ist geduldig, sagt man landläufig.
Wenn man vor Gericht steht, dann ist es gut für die Höhe des Strafmaßes, wenn man seine Tat bereut. Insoweit kann man eine vor Gericht verbalisierte Reue gern als das nehmen, was es ist: ein Versuch, die eigene Haut zu retten.

Richtige Reue wäre, wenn man ein gesprochenes Urteil hinnimmt und sich damit nicht nur juristisch, sondern persönlich auseinandersetzt. Wenn man den Schmerz aushält, der durch ein hartes Urteil ausgelöst wird. Wenn man am eigenen Leib spürt, was es heißt, fremdbestimmt zu sein. Wenn man erfährt, das die Tat, die man in vollem Bewusstsein der Tragweite des Handelns ausgeführt hat, schmerzhafte Konsequenzen hat. Wenn man seinen Schmerz über das Urteil in der gleichen Vehemenz erlebt, wie man das Gefühl der Angst ihrer Opfer, ihre Macht- und Hilflosigkeit und die Trauer der Angehörigen einfach ignoriert hat.

Ein Schüler kann auch im Knast sein Abitur machen. Das ist kein Grund, nicht in das Gefängnis zu gehen. Das einen der Knast nicht besser macht, kann sein. Aber die Verantwortung für sein Handeln trägt man selbst. Man kann sich also auch im Knast entscheiden, ob man ein verantwortungsvoller Mensch werden möchte.

Und ein Familienvater, der ein Kind aus niedrigsten Beweggründen ermordet, der weiß, dass er im Knast auf der untersten Schiene landen wird. Mitleid kann ich dafür nicht aufbringen. Denn immerhin hat er als Vater gewusst, dass der Verlust eines Kindes einen unerträglichen Schmerz auslöst.

Wie gesagt. Man kann sich entscheiden. Und wenn man sich entschieden hat, dann muss man die Konsequenzen tragen.
Sich in Revisionsverfahren retten zu wollen, ist armselig und genauso niedrig, wie die Tat an sich.

Echte Reue heißt, sich sich selbst zu stellen und die Konsequenzen des eigenen Handelns auszuhalten, auch und gerade dann, wenn sie schmerzhaft sind. Denn nur das kann einen Prozess der Umkehr in Gang setzen.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia



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