Freitag, 21. Oktober 2011

Meine Schlagzeile gestern

Ich habe gestern mal wieder das Feuilleton der Berliner Zeitung gelesen. Obwohl ich es oft mit Verachtung strafe - meine Kulturbeflissenheit hält sich in Grenzen.
Nicht weil ich nicht gern in Theater, Kino oder auch dann und wann mal in ein Museum gehe. Nein, einfach, weil mir diese abgehobenen Kunstfritzen des Feuilleton auf die Nerven gehen.
Die schreiben Sätze, da wird mir schlecht. Ich muss dann immer überlegen, was wollte der Autor damit möglicherweise ausdrücken? Oder drückt der Schreiber verworrener Bandwurmsätze, die von fremden Fachworten nur so strotzen nicht vor allem aus: Bäh. Du bist nicht aus der Szene. Du wirst diesen Slang nie verstehen. Du? Du gehörst nicht dazu!

Meine Aufregung kommt von der Überschrift eines Textes, den ich gestern gelesen habe und der so deutlich macht, finde ich, wie diese "Feuchte-Ton-Szene" funktioniert.
Die Überschrift war: "Wie unlesbar darf ein gutes Buch sein?" (Quelle: Berliner Zeitung, 20.10.2011)
Der Text war ein anderer, als der Titel impliziert und dennoch ist es genau das, was mich so ärgert. Es ging um den britischen Booker-Preis und darum, dass es in Great Britain eine hitzige Diskussion darum gegeben hat, weil die Vorsitzende, Stella Rimington, eine Krimi-Autorin zur Bedingung gemacht hat, dass die Bücher lesbar sein müssten. Ihr und der Jury wurde daraufhin Niveauverflachung vorgeworfen.

Was für eine wunderbare Aussage. Ich würde im Leben nicht darauf kommen, dass ein Buch ein "gutes Buch" ist, wenn es nicht lesbar ist. Kennen Sie so ein Buch?
Ich habe eins. Lempriere´s Wörterbuch von Lawrence Norfolk. Es wurde hochgelobt, damals auch vom Feuilleton. Und ist nach meiner Meinung abgrundtief schlecht. Ich finde es unlesbar. Es gibt Bücher, da braucht man zwei bis drei Anläufe. Und es ist in Ordnung. Dann ist der richtige Zeitpunkt für dieses Buch da. Aber den Norfolk Schinken habe ich seit 1998. Und ich kann sagen, dass ich das Lesen bisher alle zwei Jahre wieder versucht habe. Aber es ist aussichtslos.

Ich finde, ein Buch, das unlesbar ist, hat es nicht verdient gedruckt zu werden. Und ich finde den Hype, der um manche Bücher gemacht wird, abartig. Da laufen riesige Marketing-Maschinen an,  um Bücher an den Mann zu bringen, die ohne diese Maschinerie kein Mensch lesen würde. Oder glauben Sie im Ernst, Charlotte Roche wäre mit ihrem Buch auf Platz drei der Spiegel-Bestseller-Liste ? Ich hab reingelesen. Ich glaube, den meisten Lesern würde es so gehen wie mir: kurz reinlesen und dann in der Buchhandlung liegen lassen.


Bis dahin, liebe Grüße, Sia

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