Montag, 24. Oktober 2011

Unterschiede

Ich habe am Freitagabend vor dem Fernseher gehangen und habe mir die Verleihung des deutschen Comedypreises angesehen.

Dieter Nuhr hat moderiert. Er ist einer meiner Lieblings- ja was? Kaberettist? Komödiant? Kleinkünstler? Egal. Jedenfalls einer, dem ich im Normalfall gern zuhören mag. Er ist nicht ganz so scharfzüngig, wie Volker Pispers, dessen Programme ich auch sehr schätze, aber er hat so eine Tiefsinnigkeit, von der Mario Barth nur träumen kann.
Am Freitag fand ich einen Teil seiner Moderation allerdings grenzwertig. Ich weiß nicht, woran es lag. Vielleicht an dem Umstand, dass ich zwischendurch den Eindruck hatte, er imitiert Mario Barth. Dieses grenzdebile Gelächter, dass einem Zuhörer ankündigen soll, dass gleich eine Super-Pointe kommt, ist eine Barth-typische Variante. Zu Nuhr passt es nicht.

Der Unterschied zwischen Nuhr und Barth liegt für mich in den Feinheiten. Da, wo Barth grob den Humor-Hobel ansetzt, hat Nuhr die kleine Feile, die zwar etwas länger braucht, um Material wegzuarbeiten, die dafür aber in die kleineren, gemeineren Ecken kommt. Mario Barth wundert sich immer über seine Freundin. Dieter Nuhr berichtet eher abgeklärt und geduldig über Frauen. Dass ein Aufenthalt im Outlet-Centre von Frauen auch Wellness Wochenende gesehen wird, wundert Barth. Bei Nuhr ist da nur stille Resignation zu spüren, die aber in feinen, gemeinen Wortspielen verpackt ist.

Barth in kleinen Dosen finde ich amüsant. Aber es bleibt nicht viel bei mir hängen.
Wenn ich sage: "Einfach mal die Fresse halten ..." dann wissen die meisten meiner Bekannten, auf wen ich mich beziehe, und das der vordere Teil des Satzes fehlt: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten." Eines meiner Lieblingszitate von Herrn Nuhr. Ein anderes, ebenso von mir geliebtes Zitat ist: "Urlaub machen kann ich mit jeder Schlampe von der Straße. Aber Schuld sein, dass ist Liebe!"
Seitdem ich gehört habe, wie er über Straßen berichtet, auf denen die erlaubte Geschwindigkeit aufgrund von Straßenschäden runtergeregelt wird, kann ich an derartigen Schildern nicht mehr vorbeifahren, ohne an Dieter Nuhr zu denken. Er hat das sehr schön beschrieben, wie sorgfältig die Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland diesbezüglich sind. Um dann abschließend zu erwähnen "... gut, man hätte die Straße auch einfach reparieren können."

Es ist diese feine, zurückhaltende Art mit der er kleinere und größere Boshaftigkeiten von sich gibt. Gepaart mit einem breiten Allgemeinwissen - oder zumindest dem Eindruck, den er diesbezüglich erweckt, was mich diesen Kleinkünstler so schätzen lässt.
Ich hoffe sehr, dass er diese Barth´sche Attitüde der "angekündigten" Pointe wieder fallen lässt. Es gefällt mir überhaupt nicht.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia



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