Mittwoch, 21. Dezember 2011

Weihnachtstrubel

Der Weihnachtstrubel hatte mich in der vergangenen Woche gepackt. Ich musste Päckchen packen und deshalb hatte ich keine Zeit mich dem bloggen zu widmen. Das packen war eigentlich noch das kleinste Problem - schlimmer waren die Einkäufe, die dafür zu erledigen waren. Am Dienstag habe ich die letzten Dinge erstanden, die ich verschenken möchte, und habe sie auch gleich verpackt und verschickt. 

Auf das pünktliche Verschicken bin ich besonders stolz. Die Postbotin, die mir am frühen Nachmittag Pakete für die Nachbarschaft zu treuen Händen überlassen hatte, guckte auch schon bestürzt, als ich sie scherzhaft fragte, ob sie mir die Pakete, die sich hinter mir im Hausflur stapelten, gleich an der Haustüre abnehmen würde. Retouren würde sie schon entgegennehmen - um gleich darauf erleichtert zu lächeln, als ich ihr sagte, dass es leider keine Retouren sind. Auf der Post war ich dann erleichtert. Der Zeitpunkt der Paketabgabe war günstig gewählt, nur zwei Menschen vor mir, die Briefe abgaben. Das sah letzten Samstag anders aus. Die kleine Postfiliale war so voll, dass die Leute schon außerhalb des Ladens in der Schlange standen.

Nun muss die Länge einer Schlange vor einem nicht immer ein Hinweis auf langatmige Warteschleifen sein. Die Kürze einer Schlange aber leider auch nicht, wie ich letztens im Parkhaus feststellen musste. Ich wollte meinen Parkschein bezahlen. 
Vor mir drei zusammengehörende Frauen. Hinter mir ein Mann.

Was soll ich sagen? Gefühlte dreißig Minuten stand ich hinter den drei Damen, die zu blöd waren, ein Parkticket zu bezahlen. 

Ein bewährte Methode ist, dass passende Kleingeld einzuwerfen. Oder man zahlt mit Kreditkarte. Oder schiebt einen Schein in den Schlitz. Aber wenn auf dem Automat steht, dass er keine 5 Cent Stücke nimmt, dann kann man die Dinger immer wieder einwerfen. Sie werden auch immer wieder rauskommen. Nach fünf Versuchen stellten die Damen fest, der Automat nimmt keine 5 Cent Stücke. Ach!

Hinter mir ertönte ein leises Stöhnen.

Madame 1 (die Mutter!) blickt in ihre Börse. Nur noch Scheine. Die wollte sie scheinbar nicht anbrechen.
Ich konnte meine zuckende Hand gerade noch zurückhalten, die war drauf und dran, den Resetknopf auf dem Automaten zu drücken und einen Schein aus dem Portemonnaie vor mir zu nehmen.

Madame 2 (zickende Tochter) hatte gar kein Geld dabei, wühlte aber in ihren Taschen danach, während die anderen Frauen regungslos daneben standen und warteten. Hätte ja sein können, dass sie doch noch etwas findet, obwohl sie während des Suchens immer wieder betont, dass sie kein Geld dabei hat.

Madame 3 (noch ne zickende Tochter), mit Brieftasche in der Hand, räumt ihr Einkaufskörbchen aus. Zwischen Gurken, Tomaten, Haferflocken und diversen anderen Kleinigkeiten taucht eine zweite Geldbörse auf. Mit Kleingeld! Ach.

Das Stöhnen hinter mir bekommt einen leicht verzweifelten Klang.

Es fehlten noch 10 Cent. 

Madame 3 nimmt ein 50 Cent Stück und wirft es in den Automaten - um dann von der Mutter zu hören, dass sie das nicht tun soll - das wäre ja viel zu viel Geld.

Die meisten Parkautomaten, die ich kenne, können wechseln. Wenn nicht, steht es explizit dran. Üblicherweise an der gleichen Stelle, wo der Vermerk auf die akzeptierten Zahlungsmittel stehen.

Das Wechselgeld kam. Das Ticket kam. Es hätte alles gut sein können. Hätte.

Die Damen mussten jetzt vor dem Automaten klären, wer was trägt, wer noch den Korb einräumt und wer das Parkticket nimmt. Man hätte auch einfach den Platz für die Diskussion zwei Meter verschieben können. Na ja. Man hätte können.

Das Stöhnen hinter mir klingt dramatisch.

Nach weiteren gefühlten dreißig Minuten kann ich an den Automaten. Ich bezahle mein Ticket. Und drehe mich zu den Aufzügen um. 5 in Reihe. Einer ist da und lädt mit offener Tür zum einsteigen ein. Die Damen stehen vor dem Aufzug. Diskutieren, in welche Etage sie müssen. Sie schaffen es nicht, in den offenen Aufzug einzusteigen.

Ich steige ein und hoffe. Bitte. Lass sie draußen. Bitte.
Der Mann hinter mir hat sein Ticket bezahlt, spurtet zu mir in die Kabine und drückt blitzschnell auf den Etagenknopf. Die Aufzugstüren schließen sich. Wir fahren los. Geschafft.

Und zwei wildfremde Menschen sehen sich erleichtert und im stillen Einvernehmen an und atmen auf.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia