Mittwoch, 11. Januar 2012

Bewerbung

Sehr geehrte Damen und Herren der Bundesversammlung.

Ich präsentiere Ihnen hiermit meine Bewerbung zur Bundespräsidentin der Bundesrepublik Deutschland. Damit Sie eine Vorstellung von meiner Person bekommen, stelle ich mich kurz vor:

Ich bin eine verheiratete Frau in den besten Jahren. Ich bin in zwei Berufen ausgebildet, habe in diesen und zwei anderen gearbeitet und zwischendurch sogar mal (ohne Abschluss) studiert. Das spricht sehr für mich, weil bei mir nie ein unehrenhaft erworbener Doktortitel zu beanstanden wäre.

Das Haus in dem ich wohne, ist gemietet. Es gibt keine Leichen in meinem Keller, weder echte noch sprichwörtliche. Alles was ich habe, ist ordentlich in Deutschland versteuert - es ist ehrlich gesagt auch nicht sehr viel. Ich habe keine (unbekannten) Konten im Ausland. Meine Bankkontakte sind ehrenhaft und ich habe keine Schulden. Auch keine zu besonders günstigen Darlehenskonditionen.
Wenn ich mit Freunden in den Urlaub fahre, so bezahlt jeder für sich. Wenn ich bei Freunden übernachte, dann tue ich das gern - auf der Gästecouch oder im Gästezimmer, so wie das in meinen Umfeld Sitte ist. Normalerweise sind meine Freunde bei Besuchen auch anwesend, damit wir zusammen kochen und klönen können.

Meine Familie ist unspektakulär bürgerlich. Aber nicht elitär. Mein Mann und ich leben in einer liebevollen Partnerschaft und sind schon sehr lange zusammen. Bisher ist ein Austausch des Partners auch nicht vorgesehen. Mein Mann ist sogar Schloss-Tauglich.

Wir haben ein Kind. Das bedeutet, dass ich über die Erfahrung einer Geburt verfüge, eine so existenzielle Erfahrung, die Männer höchstens in Kriegszeiten erleben. Dieses körperlich und seelisch einschneidende Erlebnis ist eine unabdingbare Vorraussetzung für das entspannte Umgehen mit nachfolgenden gesellschaftlichen Diskriminierungen von Müttern und lehrte mich, wie (klamm-)heimlich die  Benachteiligung von Frauen in Deutschland funktioniert.
Ohne unangenehm aufzufallen kann ich mich anstandslos in verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen bewegen. Ich verfüge über Intelligenz, auch über soziale Intelligenz und bin im Stande, mich schnell auf andere Menschen einzustellen. Eine durchaus wichtige Eigenschaft als Bundespräsidentin, deren Zeitkontingent bei öffentlichen Anlässen begrenzt ist.

Aufgrund meines beruflichen Lebens ist mir das agieren vor anderen Menschen vertraut. Auch mehrjährige Führungserfahrung kann ich vorweisen. Sowohl im öffentlichen Dienst, als auch in der Privatwirtschaft. Ich kann gut Reden halten und auch selber schreiben. Sogar meine Bücher verfasse ich selber. Entsprechende Kritiken hingegen nicht. Aber ich kaufe sie auch nicht. Meine Medienerfahrungen beschränken sich auf einige wenige Kontakte und daher bin ich in dem Bereich eher ein Lehrling - aber da wäre ich ja nicht die erste Bundespräsidentin, der das so geht.

Meine politische Überzeugung ist auf einen einfachen Nenner zu bringen: 
Ich habe eine Haltung! Sie ist zutiefst humanistisch, aber auch pragmatisch und nicht an politische Parteien gebunden. Ich bezeichne mich als Menschenfreundin im besten Sinne, die die soziale und wirtschaftliche Verantwortung für Land und Leute als gesellschaftliche Aufgabe aller Menschen im Land betrachtet. Ich bin parteilos und unabhängig von Seilschaften jeglicher Coleur.

Ich freue mich auf eine positive Rückmeldung von Ihnen. Gern sende ich Ihnen meine vollständige Bewerbungsmappe mit einem Lichtbild neueren Datums zu.

Mit freundlichem Gruß,
Sia Wolf