Mittwoch, 25. April 2012

Frau Friedrich, Facebook und der Mob.

Ich habe den Eintrag von Frau Friedrich gelesen. Sie auch?
Wenn Sie die Diskussion kennen, dann überspringen Sie die folgenden Zeilen. Wenn nicht, hier ist zusammengefasst die Ausgangslage:
Frau Friedrich (Sportlerin) hat eine E-Mail bekommen, deren Inhalt eindeutig sexistisch ist. Dazu gehört ein Anhang, dessen Inhalt allerdings unbekannt ist, weil Frau Friedrich ihn nicht geöffnet hat. Als Reaktion auf die belästigende E-Mail hat Frau Friedrich den Absender der Mail namentlich mit Wohnort benannt und diese Information auf Facebook veröffentlicht.

Jetzt erscheinen verschiedene Reaktionen:

  • die einen, die meinen, Frau Friedrich prangert da jemand an, ohne zu wissen, ob es sich bei dem Absender um den Täter handelt.
  • die anderen, die die Reaktion von Frau Friedrich begrüßen, und meinen, wer solche E-Mails schreibt, hat es nicht besser verdient.

So polarisiert bleibt da leider einiges auf der Strecke:
Der gesunde Menschenverstand von Frau Friedrich, die als Polizistin hätte wissen müssen, dass man eine derartige Veröffentlichung nur machen sollte, wenn man zu 100% nachweisen kann, dass der Absender der ist, dessen Namen man veröffentlicht.
Und die berechtigte Haltung der Befürworter, die die Art der Belästigung als unerträglich bewerten und denen man allzu leichtfertig Stammtischmentalität, Todesstrafenbezug und mangelnde Lernfähigkeit (siehe den Tod von Lena und die Jagd auf einen Unschuldigen) nachsagt.

Festhalten kann man folgendes: Es wäre zu einfach, dieses Thema als ein Problem ausschließlich zwischen Frau Friedrich und dem Absender der Mail abzuhandeln. Dass manche Männer meinen, sie könnten ohne Gefahr von Konsequenzen Frauen derartig sexistisch belästigen, zeugt davon, dass Anonymität Täter schützt. Und diese Art der Belästigung ist wie ein grassierendes Virus, hochansteckend und schwierig zu bekämpfen. Wenigstens findet eine Diskussion statt, könnte man meinen. Leider macht sie das eigentliche Problem, nämlich die virulente sexuelle Belästigung in sozialen Netzwerken, nicht zum Thema.

Im Falle von Frau Friedrich und ihrem Belästiger habe ich einen Wunsch.
Ich verstehe sehr gut, dass Frau Friedrich der Kragen geplatzt ist. Ich verstehe aber auch ihre Kritiker sehr gut, die sagen, die Unschuldsvermutung gilt für alle.
Und so wünsche ich mir, dass in diesem Fall Frau Friedrich mit der Namensnennung den Richtigen benannt hat. Und dass er richtig Gegenwind aus seinem sozialen Umfeld bekommt.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia