Freitag, 20. April 2012

Schon wieder Sport

Dienstag war Sport. Diesmal ohne Geräte, was mir sehr entgegenkam. Nach zwei Wochen sportlicher Abstinenz war ich froh, als nach einer dreiviertel Stunde der Entspannungsteil dran war.

"Du fühlst in deinen rechten Arm".

Ja, ich habe ihn gefühlt. Ich habe mich in ihn hineingefühlt, solange und so intensiv, bis ich -schwupps- in einer Armvene landete.
Da blubberte ich nun also gemütlich mit dem Blutstrom. Ich musste ein wenig aufpassen, damit ich mir den Kopf nicht an den Venenklappen anstosse. Und dann habe ich gestaunt: Wie das da aussah! Saubermachen hätte man mal wieder können. Frühjahrsputz wäre angezeigt gewesen, bevor man hier Besucher empfängt.
Junge, Junge, was für Beläge an den Wänden. Kalk, verschmierte Fettklumpen, eingetrocknete Reste undefinierbarer Herkunft. Und dieses Rauschen. Laut, der Blutfluss ist schnell - na, war da nicht was mit Hochdruck? Ooops, einen kleine Kurve. Zack, jetzt bin ich in die obere Hohlvene gerutscht. Na hoffentlich war das der richtige Weg.
Wohin gehts hier eigentlich? Ach ja, zum rechten Herz. Ja, und da kommen die Zuflüsse, die frischen Sauerstoff mitbringen. Kleine Blubberbläschen, die knallen, wenn man sie anpiekt. Ich schwimme, der Sauerstoff macht das Blut leichter und mich mit. Plötzlich sind die Lichtverhältnisse verändert. Das leicht bläuliche Licht der Venen verwandelte sich in das tiefrote Blut der Arterien. Schön. Jetzt bin ich also im Rotlichtviertel. Scheint hier gefährlich zu sein. Ich fühle mich plötzlich verfolgt. Geräusche hinter mir, die sich anhören, als wären da noch andere unterwegs. Ich drehte mich um.
Ach du liebe Zeit. Fette Zellknubbel, die sich in Mengen hinter mir im Blut herschieben. Aha! Fresszellen! Da hat die interne Polizei wohl durch Spitzel mitgekriegt, dass hier ein Gast unterwegs ist.
Ich versuche freundlich harmlos zu lächeln. Umsonst.
Die Fresszellen sehen finster aus und werden immer mehr. Und die sind verdammt schnell, merke ich gerade. Die erste hat mich schon fast erreicht, ich spüre den heißen Atem schon im Nacken.
Ich beginne hektisch zu rudern, versuche schneller zu werden. Umsonst. Die zweite Fresszelle grunzt schon neben mir. Die dritte überholt mich.
Scheiße! Die kesseln mich ein!

Aus weiter Ferne kommt die Stimme, die mich zum tiefen Atmen auffordert. Tief einatmen und "puuuuuuuuuuuuh" alles rauslassen. Mache ich. Und plötzlich bin ich wieder auf dieser Sportmatte in der Sporthalle. Um mich herum ein Haufen Frauen, die laut ausatmen. Und ich bin dankbar, dass ich den Fresszellen entkommen bin!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia