Montag, 7. Mai 2012

Ich habe gestern

Flyer verteilt. Mühsam bin ich von einem Briefkasten zum nächsten gelaufen. Habe Angst vor Hunden bekommen, die mich bösartig und zähnefletschend, ihren Herrchen-Briefkasten bewachend, verbellt haben. Habe verschiedene Briefkastentechniken kennengelernt, mir beim einwerfen der Flyer mehrfach die Finger geklemmt und mich insgesamt unwohl gefühlt.
Unwohl, weil ich (uneingeladen) fremde Grundstücke betreten habe, um an die Briefkästen der Hausbesitzer zu kommen. Das war ein Gefühl von "Grenzüberschreitung", dass ich überhaupt nicht mag. Gleichzeitig war ich unsicher, ob ich Leute unangenehm auffalle, wenn ich ihren Briefkasten mit Werbung fülle. Mein Ziel ist doch nicht, Leute zu verärgern, sondern ich möchte eine freundliche Einladung zu einem kulturellen Event aussprechen.
Unter anderem bin ich in eine Privatstraße gegangen, an deren Eingang deutlich stand: "Unbefugten ist der Zutritt verboten".
Dieses Schild stand in diesem Wohngebiet an mehreren Straßen und ich war wirklich unsicher, ob ich "befugt" war, diese Straße zu betreten. Nur weil ich ein Werbeblättchen einwerfen wollte?
Als ich auf dem Rückweg war, stand eingangs dieser kleinen Straße ein großer Mann vor mir und guckte mich streng an. Mir ging wirklich die Sause, ich habe schon überlegt, was ich sagen kann, wenn der mich angauzt, was ich dort zu suchen habe. Aber er wollte nicht schimpfen. Er wollte auch einen.
Einen Flyer für meine Lesung am Freitagabend. Wenn Sie kommen wollen:

Gemeindezentrum Großziethen,
Alt-Großziethen 40
12529 Schönefeld-Großziethen.

Beginn ist um 20.00 Uhr und der Eintritt ist frei.

An diesem Nachmittag habe ich wieder etwas gelernt:
Werbung ist ein schweres Geschäft. Ebenso, wie Bücher schreiben, machen und verkaufen. Die irrsinnige Tragweite meines Ansinnens, einfach mal ein Buch zu schreiben, selbst zu verlegen und zu vermarkten wird mir zwischendrin immer mal bewusst und ich frage mich dann immer selbst:

"Was, um Himmels willen, hast du dir dabei gedacht? Hast du überhaupt gedacht?"

Wenn ich ehrlich bin: gedacht habe ich schon. Aber nicht bis zum Ende.
Das verbindet mich mit manchem männlichen Mitbürger. Siehe Ariane Friedrich -2-. Da hatte auch einer nicht bis zu Ende gedacht...

Bis dahin, liebe Grüße, Sia