Montag, 16. Juli 2012

Es ist schön,

zwischen zwei heftigen Regenschauern die Sonne zu genießen, die keck zwischen den Wolken durchblinzelt.

Liebe Sonne. Was hast du dir denn dieses Jahr da ausgedacht? Wolltest du es mal allen zeigen?
Gut, ich gebe zu, ich habe dich dieses Jahr auch schon beschimpft, weil du so unbarmherzig auf mich herabgebretzelt hast, während ich versuchte, einen Kärntner Berg zu erwandern. Das war aber auch gemein.
Die Landschaft täuschte ein lichtes Wäldchen vor, dabei war der Bewuchs nur oberschenkelhoch. Von Schatten keine Spur. Und am Abend hatte ich dann auch die Rechnung: Sonnenbrand an der Streckerseite der Oberarme.

Aber ich gebe auch zu, dass ich diese Wanderung bis ins Letzte genossen habe. Sie erinnerte mich an Wanderungen auf La Palma. Der Geruch von trockenen Pinien, trockener Staub und heiße Steine - traumhaft. Dazu das leise kitzeln der Schweißtropfen im Nacken, die durch die Kombiniation von Hitze und Anstrengung unaufhörlich am Körper entlangrieseln.
Gut, das wandern läuft momentan noch unter erschwerten Bedingungen. Zu der körperlichen Anstrengung kommt die Motivationsleistung, die wir erbringen müssen, um unser Kind mit auf den Berg zu bringen. Aber er hat sich bei den meisten Wanderungen erstaunlich tapfer gehalten.
Das darf man nicht unterschätzen, insbesondere dann, wenn man sich erst einen Berg hochkämpft, dann wieder die Hälfte der gerade mühselig erstiegenen 400 Höhenmeter herabläuft, um sie erneut zu erklimmen. Sogar noch 100 Höhenmeter mehr. Wissen Sie, was ein Höhenmeter ist? Laut Wikipedia:

Der Begriff Höhenmeter bezeichnet im Allgemeinen die Differenz zwischen zwei Punkten im Gelände in der Vertikale, die Höhendifferenz, z. B. „Zwischen Basislager und Höhenlager lagen 1000 Höhenmeter“. Die Einheit eines Höhenmeters ist diejenige der Geländehöhen, also in der Regel das Meter. Die Höhe des Geländes wird selbst in Höhenmeter – über dem Meeresspiegel, also als relative Höhe – angegeben.

Ich finde, Höhenmeter sind eine Definitionssache. Wenn ich am Berg laufe und mich quäle, dann denke ich: Der Höhenmeter ist ein Arschloch.
Und wenn ich abends kaputt zuhause bin und an die Wanderung zurückdenke, dann bin ich stolz, wenn ich viele Höhenmeter zurückgelegt habe.

Fragen Sie sich jetzt,  warum ich das eigentlich tue, wenn ich mich doch während der eigentliche Wanderung so furchtbar quäle?
Weils Spass macht und man abends das Gefühl hat, etwas geschafft zu haben.

Liebe Sonne. Ich schimpfe nicht mehr mit dir in diesem Jahr, ich versprechs. Kommst du dann öfter vorbei und bleibst vielleicht auch mal ein bisschen länger? Ich würde mich freuen!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia