Donnerstag, 12. Juli 2012

Von Theoretikern und offensichtlich Hirnlosen.

Ich bin zornig. Gerade eben habe ich im Stern gelesen, dass der Bundesbehindertenbeauftragte, Hubert Hüppe, einen Bluttest zur Diagnostik von Trisomie 21 verbieten lassen will.

Jetzt könnte man dem zustimmen, wenn man vom Grundgedanken ausgeht, dass damit möglicherweise Selektion stattfinden könnte. Natürlich. Aber so einfach ist es eben nicht.

Um Missverständnissen hier vorzubeugen: Ich bin mit einem mehrfach schwerstbehinderten Familienmitglied groß geworden. Beruflich habe ich mich in dem Sektor lange Jahre engagiert. Und ich wäre eine der Letzten, die Gehandicapten, egal auf welchem Weg sie dazu geworden sind, ihre Daseinsberechtigung absprechen möchte.
Nein. Und ich gehöre auch zu denen, die sich immer wieder über die Unachtsamkeit öffentlicher (oder auch privater) Bauherren aufregen, die noch immer nicht begriffen haben, wie man barrierefrei baut. Ich rege mich über Fahrkartenautomaten auf, die dafür Sorge tragen, dass geistig behinderte Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt werden, weil die Automaten selbst für "Normalos" schwer zu bedienen sind.
Mir rollen sich die Fussnägel vor Zorn hoch, wenn ich erlebe, wie der Zugang für einfache Berufe künstlich hochgepeppt wird und immer weniger qualifizierte Arbeitsplätze für die übrig bleiben, deren körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit limitiert ist, und die damit in die Abhängigkeit staatlicher Zuschussbetriebe (Werkstätten für Behinderte) getrieben werden.
Diese Werkstätten sind sicher nicht unsinnig, bestimmt nicht. Aber auch da gibt es Menschen, die in anderen Betrieben arbeiten könnten, wenn man es politisch unterstützen würde.

Aber was rede ich. Das, was mich eigentlich zornig macht, ist, dass sich der Bundesbehindertenbeauftragte über etwas den Kopf zerbricht, dass einfach nicht seine Abteilung ist.

Lasse ich mir als werdende Mutter vorschreiben, ob ich ein behindertes Kind auszutragen habe, oder nicht?
Niemals.
Lasse ich mir als werdende Mutter vorschreiben, eine Diagnostik vorzunehmen, die eine Fehlgeburt nach sich ziehen kann, wenn ein einfacher Bluttest, bei dem nur ich einen kurzen Einstichschmerz empfinde, vorhanden ist?
Im Leben nicht.

Ihr Theoretiker. Ihr Flachpinseler.
Ich rege mich so auf über diese Sorte Männer, die keine. KEINE! Ahnung haben, wie es einer schwangeren Frau geht, die vor ihrem Arzt sitzt und sich aufgrund von Krankheit, Alter oder gehäuftem Auftreten schwerer Erkrankungen in der Familie mit dem Thema "Fruchtwasseruntersuchung, ja oder nein" auseinandersetzen muss.
Ihr akademischen Dummschwätzer, glaubt ihr wirklich, ihr könntet nachvollziehen, mit welchen Gedanken man sich als Frau dabei herumschlägt?

Nein. Ihr könnt es nicht. Versucht es erst gar nicht.
Lasst die Frauen in Ruhe. Lasst sie einfach in Ruhe.
Wenn es einen Bluttest gibt, der dafür Sorge trägt, dass es weniger Fehlgeburten aufgrund von Fruchtwasseruntersuchungen gibt, dann ist es gut. Nicht mehr und nicht weniger.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia