Mittwoch, 29. August 2012

Verpasst

Ich verpasse immer mal wieder wichtige Daten. Einsendeschlüsse, Abgabetermine, Geburtstage. Auch meinen Hochzeitstag vergesse ich regelmäßig. Ich könnte jetzt sagen, ich vergesse ihn nicht, ich verdränge ihn nur ... Nein. So ist es nicht. Aber dieser eine Tag war nicht so wichtig für mich, da habe ich nur rechtlich bekräftigt, was ich mit meinem Mann schon jahrelang gelebt habe. Viel wichtiger war da der Tag, an dem ich unser Kind auf die Welt gedrückt habe.
Vor ein paar Tagen war ich mit Freundinnen unterwegs. Auf dem Weg zu unserer Party sind wir in einen Junggesellinnenabschied (auf englisch: hen night, also "Hühnernacht") geraten. Wir saßen in der U-Bahn und waren tatsächlich wie Hühner auf den Seitenbänken "aufgereit". War sehr lustig. Wir haben der Braut Lose abgekauft. Und natürlich standen Anzüglichkeiten auf den kleinen Zetteln. (Lutschen bis das weiße kommt --- das war ein Riegel Kinderschokolade ...)
Unsere müden Versuche (wir sind schon 10 Jahre weiter ...) die Braut von ihrer geplanten Tat abzuhalten, haben wahrscheinlich nicht gefruchtet. Tja. Chance verpasst ;-)

Es gibt ja Ehen, die sind schon auf dem Standesamt im Arsch. Also Leute, die "Ja" sagen, "Nein" denken und dennoch unterschreiben. Es gibt Leute, die riesige Hochzeiten feiern, mit allem Pomp und Schnick und Schnack. Für diesen Event wird richtig Geld ausgegeben - und dann ist die Beziehung ist ein Jahr später völlig desolat und geht bitterböse auseinander. Und wenn die kurze Ehe kinderlos blieb, dann kann man für alle Beteiligten nur froh sein.

Also, dann vergesse ich doch lieber regelmäßig meinen Hochzeitstag. Schließlich ist nicht so wichtig, was an diesem einen Tag passiert. Viel wichtiger ist, dass man auch die anderen 364 Tage im Jahr, die man miteinander lebt, gut miteinander lebt.
Ich hoffe, die Braut aus der U-Bahn hat "Ja" gesagt, es auch gedacht und vor allem gefühlt. Und wenn es gut ist, dann ging es ihrem Bräutigam genauso.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia