Montag, 24. September 2012

Männer in Lederhosen - Oktoberfest

Am Wochenende war ich auf dem Oktoberfest.
Nein. Ich war nicht in München.
Ich war auf einem dieser kleinen Ableger des "echten" Oktoberfestes, die seit einigen Jahren überall aus dem Boden sprießen. Und ich war ohne Dirndl unterwegs - aber ich habe im Festzelt gesessen. Es war nicht viel los an dem Sonntag - das soll in dieser Location an anderen Tagen anders sein. Im Festzelt soll man kaum vorwärts kommen, so dicht ist die Besiedlung am Freitag und am Samstag.
Die Leute, die mich länger als 10 Jahre kennen, wird verwundern, dass ich auf einem Fest dieser Art zu finden war. Ich trinke eigentlich kein Bier. Gut, gestern musste es dann sein - alkoholfrei. Und ich bin auch keine ausgewiesene "Schlagerelse" - die choreografischen Elemente vieler aktuellen Gassenhauer bleiben mir verschlossen. Auch deutliche Aufforderungen (rechten Arm/ linken Arm) werden von mir missinterpretiert. Wer mich schon beim Sport erleben konnte, den wird das nicht weiter erstaunen. Koordination der Extremitäten ist nicht meine besondere Stärke :-)
Bier trinken und Schlager mitgrölen gehört zu den essentiellen Dingen auf einem Oktoberfest, um sich handfest zu amüsieren. Man kann aber auch einfach wunderbar ablästern. Grundsätzlich kann man ja überall lästern, aber ein Fest wie dieses bietet da extrem viel Spielraum.
Männer in Lederhosen!
Gut. Jedem das Seine. Ich will nicht leugnen, dass ein gut gebautes Exemplar der männlichen Gattung in jedem Outfit gut aussehen kann. Aber es gibt eben auch die, die nur in einer Kleidungsvariante gut ausschauen. Leider waren gestern keine Gut-in-Lederhosen-aussehen-Vertreter sichtbar. Die meisten, die sich in diese Hosen gestürzt haben, wurden vermutlich von ihren Dirndl-tragenden Frauen dazu verdonnert. Dünne weiße Beine, behaart,  die aus merkwürdig verzierten, hellbraunen ledernen Beinkleidern heraus kommen und, abgesetzt von schwarzen Socken, in braunen City-Tretern enden ... Beine wie Streichhölzer. Dazu noch einen kleinen Bauch - da fallen mir sofort Kastanienmännchen ein. Und wenn man diese Sorte Männer lange genug beim Trinken beobachtet konnte, stellte man fest, dass der Kopf nach kurzer Zeit genauso rot wie ein Streichholz wurde.
Ganz schön waren auch die Exemplare in normalen Hosen, deren Anbiederungsversuch an volkstümliche Tracht in einer Kopfbedeckung endete. Vielleicht muss der Alkoholpegel entsprechend hoch sein, um merkwürdige Filzhüte schön zu finden. Oder man hat eine bösartige Wette unter Freunden verloren, auch das würde das Tragen dieser Schlapphüte erklären. Andere Gründe fallen mir für diese stilistische Entgleisung nicht ein.
Bei den Frauen sieht es nicht anders aus. Das Dirndl gehört zu der Kategorie von Kleidern, dass bei entsprechender Anpassung jeden Frauenkörper gut ausschauen lässt. Vorausgesetzt, man weiß, wo man etwas anpassen muss. Eine Rocklänge bei dicken Stampfbeinen, die gerade an der dicksten Wadenstelle endet, ist denkbar ungünstig. Da kann man selbst mit Größe 38 aussehen wie eine Wuchtbrumme. Und wenn man kein Inhalt fürs Dekolleté hat, dann könnte man mit wunderbarem "Untendrunter" ein wenig nachhelfen - oder eine "geschlossenere" Variante wählen.
Aber was erzähle ich. Nächstes Jahr stürze ich mich an einem der bekannteren Festtage ins Getümmel. Vielleicht sogar mit Dirndl !

Bis dahin, liebe Grüße, Sia