Freitag, 21. September 2012

Von Weihnachtsmännern und Weihnachtsengeln.

Gestern Abend:

Soll dieses Jahr der Weihnachtsmann kommen oder nicht? Diese einfache kleine Frage ist bei näherer Betrachtung gar nicht so banal. Die Kinder sind in einem Alter, indem sie entweder schon entzaubert sind, oder sich gerade an der Schwelle dazu befinden.
Meine Familie hat dieses Problem nicht. Wir haben jahrelang die Kunst der Täuschung und Ablenkung genutzt und waren durchaus erfolgreich damit. Gut, im vorletzten Jahr war es schon kritisch - da wollte unser Sohn das Wohnzimmer bewachen und den Weihnachtsmann abfangen. Und im letzten Jahr war es dann endgültig vorbei mit der Ablenkung. Wir haben daher unserem Sohn gestanden, wie die Wahrheit ist. Es tat uns leid, unserem Sohn diese schöne Illusion zu rauben. Aber er hat sehr konkret nachgefragt und wir wollten ihn nicht anlügen.
Grundsätzlich hängen Kinder an Familienbräuchen. Da kann man nicht plötzlich ein Ritual verändern, ohne einen Entrüstungssturm zu produzieren. Und Weihnachten möchte man Aufregungen dieser Art sicher vermeiden. Wir werden deshalb auch dieses Jahr Weihnachten den Ablauf so halten, wie bisher. Auch wenn der Weihnachtsmann als Luftnummer enttarnt ist. Da ist es für Andere, die jedes Jahr die X-mas - Agenturen bemüht haben, schwieriger. Zumal die Erfahrungen mit den geschickten Weihnachtsmännern auch eher sub-optimal waren. Vielleicht sollte man doch überlegen, ob man nicht das Ritual in einem Punkt verändert:

In Berlin kommt Weihnachten der Weihnachtsmann. Im Süden der Republik kommt Weihnachten das Christkind.
Jetzt könnte man meinen: egal, gut so, wie es ist.  Ein kleiner, aber entscheidender Punkt spricht aber eher für die süddeutsche Variante:

In Bayern laufen die Christkinder mit zauberhaften Korkenzieherlocken durch die weihnachtlichen Wohnstuben der Familien und beglücken Kinder mit charmantem Lächeln und Schönheit.
In Berlin kommen merkwürdige Clochard-ähnliche Gestalten in abgetragenen roten Röcken mit mürrischem Gesichtsausdruck und der ständigen Rutendrohung, wenn die Kinder nicht brav waren.

Ich persönlich finde die weibliche Variante durchaus ansprechend. Und ich glaube, es gibt genügend männliche Vertreter, die mir zustimmen ;-)

Bis dahin, liebe Grüße, Sia