Mittwoch, 17. Oktober 2012

Autorität von Staats wegen.

Kennen Sie Peine? Peine, das ist eine kleine Stadt in Niedersachsen, zwischen Hannover und Braunschweig.

Wenn man ein paar Jahre in Brandenburg lebt, dann hat man sich bald dran gewöhnt: Blitzer überall.
So. Nun werden Geschwindigkeitsbegrenzungen und Blitzeraufkommen in Deutschland sehr unterschiedlich gehandhabt. Man könnte es auf einen einfachen Nenner bringen und sagen: je klammer die Kommunen sind, umso höher ist die Blitzerdichte. In einem kleinen mir bekannten Ort an einer heftig befahrenen Bundesstraße wurde nach Einführung mehrerer Blitzer ein Betrag von etwa 300.000€ im Monat eingenommen. Das hat die Kommunen im näheren Umkreis dazu animiert, auch Blitzer aufzustellen. Das heißt, die Blitzerdichte dieses (hessischen) Landkreises kommt durchaus an Brandenburger Verhältnisse heran. Übrigens werden Blitzer nur an Stellen aufgestellt und eingerichtet, die nachweislich erhöhte Unfallzahlen aufweisen. (Gibts da nicht so einen Spruch: Glaube nur den Statistiken, die du selbst gefälscht hast?)

Wenn man häufiger in Westdeutschland unterwegs ist, dann kann man die unterschiedlichen Fahrweisen durchaus unterscheiden. Die Westdeutschen (gerade im südlicheren Teil) sind gnadenlos, was Geschwindigkeitsbeschränkungen angeht. Sowohl was die Anzahl von Beschränkungen betrifft (deutlich weniger), als auch das Einhalten dieser Einschränkungen betrifft (deutlich uninteressierter). Fahre ich im Südwesten der Republik, werde ich beim Einhalten von Geschwindigkeitsbegrenzungen überholt. Fahre ich in Brandenburg, dann fahre ich nicht langsamer als der Schnitt.

Warum erzähle ich das? Weil sich jetzt in Peine folgendes ereignet hat: es gibt eine Facebook Seite, die heißt Blitzer Peine. Dort werden Blitzer im Landkreis Peine gemeldet. Wie auf jeder Facebook Seite, kann man dort Kommentare hinterlassen. Und eine Frau hat sich dort über Blitzer aufgeregt. Möglicherweise etwas unangemessen, was den Tonfall angeht. In jedem Fall hat sie geschimpft.

Und wissen Sie, was dann passiert ist? Sie bekam Post vom Landkreis. Mit der Ankündigung, dass sie im Wiederholungsfall (sollte sie sich also nochmal öffentlich so äußern!) zur MPU, dem sogenannten "Idiotentest" muss.

Können Sie sich so etwas vorstellen? Ich zitiere mal aus dem Bericht von der NDR.de Seite:

 ... Landkreis-Sprecher Henrik Kühn sagte:  Diese Kommentare ließen "zumindest die Vermutung zu, dass die betreffenden Personen über ein Konfliktpotenzial verfügen, welches sie im Straßenverkehr als nicht geeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs erscheinen lässt". Es müsse auch vermutet werden, dass Probleme mit der Akzeptanz von bestehenden Verkehrsregeln vorliegen.

So. So.

Akzeptanz bestehender Regeln. Yep. Ich kann mich dunkel erinnern. Da war was mit "Meinungsfreiheit". Und "Konfliktpotential"?. Ja, doch. Wie nennt man das nochmal, wenn man unbedingt Gerichte mit Nichtigkeiten beschäftigen möchte? Ach ja. Querulantentum. Sehr beliebt bei Justizia.
Es fehlt übrigens noch ein schönes Fremdwort in dem Zitat. Man nennt es "Frustrationstoleranz". Die scheint bei Mitarbeitern dieses Amtes nicht sehr hoch zu sein.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

P.S. Was ich mich immer noch frage: Wenn man in seiner Dienstzeit Facebook liest, ist das mit den eigentlichen Aufgaben eines Sachbearbeiters vereinbar? Welcher Aufgabenbereich ist das dann? Social Controlling?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare werden moderiert. Ich dulde keine sexistischen, diffamierenden oder beleidigende Kommentare.