Donnerstag, 11. Oktober 2012

Kachelmann II

Na da!

Jetzt rollt sie also, die Marketing-Welle.

Das Mannheimer Landgericht hat eine einstweilige Verfügung ausgesprochen. Das Buch darf in der Form nicht vertrieben werden, nicht, solange der volle Namen der Ex-Freundin, die das Vergewaltigungs - Verfahren ins Rollen gebracht hat, genannt wird.

Hm.

Bin ich ein Schelm, wenn ich denke, dass diese Namensnennung und die daraus resultierenden Folgen im Kalkül des Verlages standen? Ich vermute stark, dass der Heyne-Verlag, der immerhin zur Verlagsgruppe Random House gehört, dass der eine juristische Abteilung hat. Die Aufgabe einer juristischen Abteilung in einem Verlag ist auch, kritische Manuskripte auf mögliche Anfechtungen und juristische Fallstricke zu untersuchen und zu bewerten.
In einem Jura-Forum hat ein Mitglied die Signatur "Die schlimmste aller Kampfkünste heißt Jura." Insofern könnte natürlich die hauseigene Juristerei auf den Gedanken gekommen sein, dass die volle Namensnennung gedeckt sei - und ein kleines "rechthaberisches" Scharmützel mit den gegenerischen Anwälten könnte eine lustvolle Abwechslung zum täglichen Einerlei der Vertragsprüfungen sein. Nebenbei wird die Juristische Schlammschlacht einen erheblichen Werbeeffekt haben - da kann man sich einen riesigen Teil des Werbeetats sparen - und das gesparte Geld gleich zur Kostenminimierung nutzen. Immerhin wird ein großer Teil der gedruckten Bücher geschreddert werden müssen (sofern sie überhaupt schon gedruckt sind ...). Oder Studenten, ausgerüstet mit dicken schwarzen Eddings müssen Namen schwärzen ...

Wenn ich auf Amazon gucke, dann hat das Werk schon jetzt 15 Rezensionen, wobei es eigentlich erst am 15.10.2012 erscheint (kleine Korrektur: erscheinen sollte. Es war schon ab Montag im Handel -und ist jetzt wieder raus). Es wird so laufen, wie bei Betty: der größte Teil der Rezensenten wird sich auf Kachelmann persönlich und den Prozess beziehen, mit dem deutlichen Hinweiß, dass Buch nicht gelesen zu haben und es auch nicht lesen zu wollen (1 Bewertungsstern). Ein kleinerer Teil wird vom Verlag gekauft sein (5 Sterne), oder aber zur Kachelmann-Fan Fraktion gehören und alles abbürsten, was nur im entferntesten nach kritischer Würdigung aussieht. Und schlußendlich gibt es dann noch die Männer, die einen Vergewaltigungs-Verfolgungswahn abarbeiten müssen und deshalb einen allgemein gesellschaftskritischen Rezensionsversuch starten werden, der nichts mit dem Buch, nichts mit Kachelmann, aber sehr viel mit ihrem persönlichen Ungemach zu tun haben wird ... Ach, ich hab keine Lust mehr auf so´n Sch***.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia