Dienstag, 30. Oktober 2012

Polizeikontrolle

Am Samstag bin ich nach der Lesung von der Polizei kontrolliert worden. Das erwähnte ich ja gestern bereits. Was ich Ihnen nicht erzählt habe, waren die genauen Umstände.
Nachdem die Lesung und der Small Talk hinterher beendet waren, wollte ich die Freundin, die mich begleitet hatte, nach Hause fahren. Und als wir so im Auto plaudernd den Wohnort erreichten, da standen sie: an der typischen Kontrollstelle, an der sie immer stehen.


Ein Leuchtemänni, mitten auf der Straße.

Ich hatte nichts getrunken, im letzten Moment vor der Abfahrt hatte ich mir noch die Papiere von meinem Mann geben lassen (weil ich sein Auto genommen hatte) und außerdem hatte ich einen Minirock an. Was sollte mir also passieren?
Nichts. Eben.
Der junge Polizist leuchtete mit einer großen Stablampe ins Auto (ich dachte im ersten Moment, der sucht jemanden hinten auf der Rückbank ...) und stellte fest, dass wir angeschnallt waren. Ja. Bin ich immer. Ich könnte gar nicht unangeschnallt fahren, ich würde mich völlig unwohl fühlen.
"Haben Sie Alkohol vor Fahrtantritt getrunken?"
Nein. Ich nicht. Die Freundin schon. Jetzt würde ich sagen, selbst das Glas Sekt, dass sie getrunken hatte, würde ihre Fahrtüchtigkeit nicht komplett außer Kraft setzen, aber egal. Wir durften weiterfahren.

Jetzt ist diese beliebte Kontrollstelle an der Durchgangsstraße des Dorfes. Und die Freundin wohnt quasi am entgegengesetzten Ende des Dorfes und meines Hauses. Also musste ich, nachdem ich sie abgesetzt hatte, wieder die Straße entlang, diesmal aus der anderen Richtung kommend.

Was soll ich Ihnen sagen? Yep. Ich wurde wieder angehalten. Aus der anderen Richtung wurde gerade ein Fahrer rausgezogen und in die Nebenstraße dirigiert und ich stand blinkend auf der Straße, ein Leuchtemänni vor mir. Muss wohl ein anderer als eben sein. Ich lasse das Fenster runter und sage: "Ich habe auch in den letzten drei Minuten noch nichts getrunken."
"Wurden Sie schonmal kontrolliert?"
"Ja. Vor drei Minuten."
"Hier?"
"Ja."
Das Leuchtemänni überlegt einen Moment. 
"Sonst haben Sie alles dabei?"
"Ja. Ich habe immer alles dabei."
Er sagt nichts. Guckt nur.
"Soll ich jetzt links in die Nebenstraße reinfahren, oder kann ich weiterfahren?"
"Fahren Sie weiter. Schönen Abend noch."
"Danke. Ihnen auch."

Also bin ich nach Hause gefahren. Dabei habe ich mir so meine Gedanken gemacht. Zweimal an einem Abend, innerhalb von ungefähr 10 Minuten von der Polizei kontrolliert zu werden, ist schon spannend. Ich bin noch nie vorher von der Polizei ohne Grund angehalten worden. Einmal wurde ich auf der Autobahn geblitzt und musste deshalb anhalten - und zahle seit dieser Erfahrung nie. Nie. Niemals nicht bar. Der Polizist damals sagte kostet 40 DM. Hatte ich nicht dabei. Dann sagte er, dann müsste ich auf das Ticket warten und da käme noch Bearbeitungsgebühr hinzu. Tja. Hatte mich zwar geärgert, aber ich hatte trotzdem kein Geld dabei. Also habe ich auf das Ticket gewartet. Es kam. Und kostete 20 DM. Ich will dem Polizist nichts unterstellen. Aber 20 DM haben oder nicht haben war für mich damals eine Stange Geld.
Das zweite Mal, dass mich ein Polizist angehalten hat, war durchaus beängstigender. Ich war auf dem langen Heimweg von meinem damaligen Job. Und etwa 50 km dieses Weges führte über eine gut ausgebaute Landstraße, die in regelmäßigen Abständen eine Spur als Überholspur verdoppelte. 
Hinter mir ein Polizeibus. Der junge Fahrer fuhr wie ein Geisteskranker. Viel zu dicht auf (ich konnte zwischendurch nicht mal mehr den Kühlergrill sehen), fuhr ständig in Schwüngen nach rechts und nach links. Also. Er hatte es wohl eilig. Aber er überholte nicht, selbst wenn es möglich war. Irgendwann auf freier Strecke bin ich soweit nach rechts gefahren, dass selbst ein Opa mit Hut verstanden hätte, dass er vorbei fahren sollte. Der Polizist blieb hinter mir. 
Es war spät, schon Dämmerung. Ich wollte ganz bestimmt nicht auf freier Strecke anhalten, nur damit der Dämlack endlich vorbei fährt. Aber ich wusste, in wenigen Kilometern kämen die ersten Ausläufer einer Stadt und kurz hinter dem Ortsschild gibt es eine Polizeistation. ich hatte von dem Typen hinter mir die Schnauze voll. Also bin ich in Richtung dieser Polizeistation abgebogen.
Der Polizist auch. 
Und dann überholt er mich doch noch, fährt er vor mich und hält mich an.
Ich steige aus.
Der Polizist auch. Grinst mich an und guckt mich dabei von oben bis unten taxierend an.
Ich, wütend: "Was soll das?"
Er: "Ihr linkes Rücklicht ist kaputt."
Dann gabs ne allgemeine Beleuchtungskontrolle und dann sagt das Arsch noch, unter Ausnutzung seiner uniformierten staatlichen Autorität: "Lassen Sie das umgehend reparieren" und dann verschwindet er in seinem Bus und fährt weiter. Ich war so wütend und so sprachlos, dass ich mich tatsächlich einfach nur ins Auto gesetzt habe und weitergefahren bin.

Tja. Und heute? Heute reicht es, wenn man frech behauptet, man habe alles dabei und dann darf frau weiterfahren. Nach einem Blick ins Gesicht lassen sie einen noch nicht mal mehr aussteigen ... 
Seufz. Ich glaube, ich werde alt.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

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