Montag, 29. Oktober 2012

Wochenende: Lesung

Am Samstag habe ich in der Gemeindebibliothek Blankenfelde-Mahlow aus meinem Roman Rheingau-Roulette gelesen.
Es war sehr nett. Die gestellten Stühle waren alle besetzt und es mussten sogar noch welche nachgeholt werden. Die Räumlichkeiten waren schön hergerichtet und das Ambiente "zwischen vollgestellten Bücherregalen" für eine Lesung wie geschaffen.
Da saß ich also nun zwischen "Humor" und "Frauenliteratur" an einem kleinen Tisch mit Lampe und war aufgeregt. So aufgeregt, dass ich mich noch nicht mal getraut habe, zum Anstossen auf den neuen "Gold-Status" der Bibliothek ein Glas Sekt zu trinken. Wie der weitere Verlauf des Abends zeigen sollte, war das eine gute Entscheidung.

Mein Publikum war mir freundlich gesonnen. Und nach den ersten Zeilen hatte ich den Eindruck, "Ich hab sie." Das ist enorm wichtig, weil man ja nur einen kleinen Ausschnitt lesen kann, und der muss so gewählt werden, dass die Zuhörer Lust auf mehr bekommen.
Meine ZuhörerInnen haben an den richtigen Stellen gelacht. Auch das ist eine enorme Bestätigung für einen Autoren. Wenn das Ziel war, einen humorvollen Dialog zu schreiben und das auch genauso beim Publikum ankommt, dann ist das einfach toll. Noch toller fand ich aber die leise Reaktion einer Dame nach einer anderen Lesestelle.

Die Geschichte, die ich in Rheingau-Roulette erzähle, ist eine Liebesgeschichte. Und wenn ich eine Lesung habe, dann versuche ich bei den gewählten Leseausschnitten, die Protagonisten vorzustellen. Denn die handelnden Personen sind es ja schließlich, denen man in einem Buch über die Schulter schauen möchte. Also habe ich am Samstag selbstverständlich auch den männlichen Hauptprotagonisten vorgestellt. Bei der Entwicklung dieses Protagonisten habe ich ganz bewusst darauf verzichtet, ihn mit all den körperlichen Attributen zu versehen, die amerikanische Liebesroman-Autorinnen so gerne ihren Helden anhängen.
Mein Protagonist ist nicht groß. Jedenfalls nicht größer als der Durchschnitt. Er ist nicht besonders gutaussehend. Auch da ist er der gepflegte Durchschnitt. Er hat eine sportliche Figur, ist aber nicht besonders muskulös. Er hat keine Ausbildung als Soldat, Elitepolizist oder Bundesnachrichtendienstler. Er arbeitet bei der Krankenkasse.

Es waren exakt zwei gelesene Buchseiten, die ihn betrafen. Und trotzdem sagte eine Frau leise im Publikum: so einen will ich auch haben.

Sie können mir glauben, das sind Bemerkungen, die gehen runter wie Öl. Denn dann habe ich es geschafft, die Aura, die dieser Mann hat, für LeserInnen fassbar zu machen. Was will man als Autor mehr, außer, dass das Buch dann auch gekauft wird ...

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

P.S.: Ich habe auf dem Rückweg von der Lesung das Vergnügen gehabt, von der Polizei kontrolliert zu werden. Wie gut, dass ich keinen Sekt getrunken hatte ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare werden moderiert. Ich dulde keine sexistischen, diffamierenden oder beleidigende Kommentare.