Donnerstag, 29. November 2012

Alle Jahre wieder

beginnt der Stress der Weihnachtszeit mit Einkaufen.

Ich bin ja manchmal sehr lästerlich, was das männliche Geschlecht angeht - ohne den Herren der Schöpfung wirklich etwas Böses zu wollen. Vor ein paar Jahren hat mich mal ein Kollege als "Emanze" beschimpft. Das heißt, er meinte es als Beschimpfung. Ich fand damals, wenn er registriert hat, dass ich mich nicht von einem Anhängsel zwischen den Beinen beeindrucken lasse, dann habe ich etwas richtig gemacht.
Eigentlich kann ich Männer ganz gut leiden. So im Allgemeinen. Ausnahmen gibt es selbstverständlich. Aber das werde ich jetzt nicht weiter ausführen.

Schwierig wird es jetzt wieder mit den Kerlen beim Einkaufen. Sie können sich sicher erinnern, ich plädiere ja für Übungseinheiten über das Jahr hinweg, bevor Männer in den Einkaufstrubel vor Weihnachten geschickt werden. Hier können Sie es nachlesen: Klick und Klick

Letzte Woche war es dann soweit. Mir fielen die ersten gestressten Männer beim einkaufen auf.
Sie kennen das sicherlich, da tobt jemand durch den Laden und Sie sind innerlich schon immer auf der Flucht. Irgendetwas an diesem Menschen signalisiert schon von weitem: Besser mal Abstand halten.
So gings mir mit diesem Mann. Er schien desorganisiert, rannte hier und da ans Regal, konnte sich nicht entscheiden. Packte Dinge in den Wagen, räumte sie wieder aus -  und ich beobachtete das unkoordinierte Verhalten aus den Augenwinkeln. Irgendwie schien dieser ältere Mann immer in meinem Dunstkreis zu sein.
Irgendwann stand ich vor Drogerieprodukten und war so vertieft in die Zutatenangaben eines Produktes, dass mein peripheres Sehen ausgeschaltet war und ich die drohende Gefahr nicht wahrnahm. Er quatschte mich an.
Die Zeiten, in denen mich junge Männer mit Fragen zu einem Produkt im Laden anquatschten, weil sie mich "eigentlich" anquatschen wollten sind offenbar vorbei. Mich sabbeln nur noch ältere Herren an, die mich im Normalfall fragen, was da auf dem Produkt drauf steht. Früher habe ich das nahtlos beantworten können, dann kam die Zeit, in der ich meine Brille zücken musste und heute lasse ich meinen Sohn antworten ... Egal. Also, der Mann quatschte mich an. Er hielt mir ein Kombiprodukt Shampoo-Showergel unter die Nase.
Ich erwartete nun die Frage nach: "Was steht da drauf?". Aber das kam nicht. Sondern er fragte: "Da steht "Shampoo" drauf. Kann ich das zum Haarewaschen nehmen?"
Und ich muss sehr irritiert geguckt haben. So sehr, dass er sich genötigt fühlte, seiner Frage eine Erklärung hinterher zu schieben: "Meine Frau ist vorletzte Woche gestorben und jetzt muss ich allein zurechtkommen. Das ist alles so schwierig."

Ich habe ihm seine Frage beantwortet. Natürlich. Und ich hatte auf einmal Mitleid. Da denkt man über alles Mögliche nach, was der Partner nach Eintritt des eigenen Todesfalles wissen müsste. Aber das man "Shampoo" zum Haare waschen benutzt, vergisst man zu erzählen.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

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