Mittwoch, 12. Dezember 2012

2. Teil "... from Sia, with love"

Bevor Sie anfangen zu lesen:

den ersten Teil gabs gestern. Und die nächsten Teile werde ich dann unter dem Tab "from Sia" ablegen. Damit Sie immer nachlesen können...

Viel Spass. Und ich warte noch auf Kommentare!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

2. Teil

Danielle rief nach ihnen. Sie sah atemberaubend aus. Das Kleid machte eine tolle Figur, egal was man als Ausgangsmaterial hineinpackte, davon war Tatjana schon überzeugt, bevor sich Danielle das Kleid übergezogen hatte. Sie schien ein wenig verschwitzt.
„Ich glaube, es ist an den Hüften etwas zu knapp.“ 
Ja, an tatsächlich. Es saß knapp an den Hüften. Tatjana frohlockte leise. Vielleicht hatte sie doch noch eine Chance auf den Traum aus Spitze und Satin. Aber ihre Hoffnung wurde zunichte gemacht. 
„Ach Quatsch““, flötete Linabella, „wenn du da Shapewear drunterziehst, dann sitzt das perfekt.“
Danielle strahlte. Tatjana nickte frustriert. Wieder ein negativer Punkt auf der Liste. Nie bekam sie das, was sie wollte. Das fing schon damals in der Schule mit Rainer an. 
Was hatte sie diesen Typen angehimmelt! Natürlich nur heimlich. Schließlich war die ganze Schule hinter ihm her. Und sie war nicht selbstbewusst genug, um mit offenem Visier gegen die ganzen Schönheiten anzutreten, die ihn so offensichtlich anhimmelten. Er war dann lange mit Marion zusammen. Sie passten gut zueinander, das musste sie zugeben. Aber es hatte lange gedauert, bis sie über ihn hinwegkam. 
Danielle zog sich in die Umkleidekabine zurück, steckte dann aber noch mal den Kopf aus der Kabine. „Tatti, aber nicht weglaufen. Du hast doch bestimmt noch Zeit für einen Kaffee, oder? Wir haben uns doch soooo lange nicht gesehen.“
Ihr Kopf steckte schräg zwischen dem Vorhang und der Seitenwand. Es sah witzig aus. Danielle sah sie abwartend an. Tatjana wollte gerade „Nein“ sagen. Sie hatte wirklich keine Zeit. Sie war in fünfzehn Minuten mit Clemens zu einer Wohnungsbesichtigung verabredet. Sie wollten nach einem Jahr Beziehung zusammenziehen. Das heißt, eigentlich wollte Clemens das. Tatjana wollte also gerade „Nein, tut mir leid“ sagen, als ihr Telefon klingelte. „Master of Desaster“ hieß der Klingelton, der sie Clemens‘ Nummer zugewiesen hatte. Nicht umsonst. Clemens war ein Chaot. Sie machte eine hilflose Handbewegung in Danielles Richtung und drehte sich um.
„Hallo Schatz, bist du schon an der Wohnung?“
„Nein, ich bin gerade auf dem Weg dorthin. Warum?“
„Sorry, aber du musst allein zu dem Maklertermin gehen. Ich komm hier nicht weg. Der Chef hat gerade noch ein Meeting angesetzt und ...“
„Hat dein Chef das Meeting gerade angesetzt, oder hast du wieder vergessen, es dir in deinen Terminkalender einzutragen?“, unterbrach sie ihn.
Sie hörte sein Zögern. Er lachte verlegen. „Nein, nein, Schatz, so war das nicht.“
Sie seufzte. Also war es genau so. Wenn man sich bei Clemens auf etwas verlassen konnte, dann darauf, dass man sich auf keine Absprachen mit ihm verlassen konnte. Er vergass fast immer seine Termine. Jedenfalls die, die im privaten Bereich lagen. 
„Clemens, ich muss in drei Wochen aus meiner Wohnung raus sein!“
„Ich weiß Schatz. Aber ich kann hier nicht weg. Das Meeting ist superwichtig, da werden die geschäftlichen Weichen für die nächsten zehn Jahre gestellt und als einer der Entscheider kann ich da nicht fehlen!“ 
Tatjana schnaufte. Was für ein Quatsch. Erstens würden da höchstens Weichen für das nächste Jahr gestellt, und zweitens - Clemens war in der Hierarchie noch zu weit unten, um wirklich einer der wichtigen Entscheider zu sein. Aber seine Karriere und der aktuelle Status in der Firma war ein ständiger Streitpunkt zwischen ihnen. Das würde sich auch in naher Zukunft nicht ändern.
„Wie stellst du dir die Wohnungssuche dann bitte vor? Außerdem habe ich mir extra den Nachmittag frei genommen, damit wir uns gemeinsam mit dem Makler treffen können.“ Sie war sauer.
„Schatz, Du hast freie Hand, okay? Du gehst da hin, und wenn dir die Wohnung gefällt, dann nimmst du sie einfach, okay? Du, ich muss Schluss machen, das Meeting fängt an. Tschüß Schatz und viel Erfolg.“ Aufgelegt. Der Sack hatte einfach aufgelegt. Tatjana schaute fassungslos auf das Telefon in ihrer Hand. 
„Du suchst ne Wohnung?“ Danielle schlüpfte aus der Umkleidekabine. Tatjana nickte genervt. Ja sicher. Sonst würde sie sich ja wohl nicht mit einem Makler zu einer Wohnungsbesichtigung treffen, oder? 
„Soll ich dich begleiten? Ich hab mal bei einem Makler gearbeitet und kenn die Tricks“, flötete Danielle, während sie Linabella das Kleid reichte. „Du sag mal Linabella, gibts Prozente für gute Kundinnen?“
Linabellas strahlendes Lächeln versteifte sich. „Danielle, tut mir leid, aber das kann ich bei diesem Kleid nicht machen. Die Chefin würde mich vierteilen!“
„Schon okay.“ Gutmütig nickte Danielle. „läuft sowieso über die Kreditkarte von meinem Freund.“ Sie reichte Linabella die Karte. Dann drehte sie sich zu Tatjana. „Wo ist die Wohnung denn?“
Tatjana verfluchte sich im Stillen. Wäre sie doch nur beim Telefonieren rausgegangen! Ergeben sagte sie: „Nicht weit von hier. Bertramstraße 14“
„Bertramstraße! Na da hast du ja Glück, wenn du dort was findest. Das ist ne super Wohngegend.“
„Ich weiß, ich wohne gerade zwei Querstraßen weiter. Aber leider hat mein Vermieter Eigenbedarf angemeldet und jetzt muss ich bis zum Ende des Monats raus.“ Sie verdrehte die Augen. Das war wirklich hart. Aber der Vermieter ließ nicht mit sich reden. Na gut, verstehen konnte sie es. Seine Tochter hat sich vom Freund getrennt und musste irgendwo hin. Und Tübingen war ein heißes Pflaster was gut gelegene Wohnungen anging. Aber sie liebte ihre kleine Wohnung und trauerte. Außerdem war ihre Adresse genial gewesen: Tatjana Teufel, Torstraße, 44a, Tübingen.
Danielle ließ sich das Kleid einpacken und nahm sie  lässig am Arm. „Komm, wir gehen erst zu deiner Wohnungsbesichtigung und dann einen Kaffee trinken. Du hast ja den Nachmittag frei.“
Tatjana schimpfte innerlich mit sich selbst. Sie war einfach nicht schlagfertig und spontan genug, um Menschen wie Danielle etwas entgegenzusetzen. Und so fand sie sich kurze Zeit später an Danielles Arm vor der verschlossenen Haustür der Bertramstraße 14 wieder. Ein Haus mit fünf Etagen. Tatjana legte den Kopf in den Nacken und sah nach oben.
„Die Wohnung ist im obersten Stockwerk. Hoffentlich gibts einen Aufzug.“
„Natürlich gibts hier einen Aufzug!“ Danielle klingelte wild auf dem Metallschild mit den  Klingelknöpfen. Eine alte Stimme fragte: „Wer ist da?“
„Die Post!“ Danielle grinste. Kurze Zeit später ertönte der Türöffner und sie drückte die Tür auf. „Los komm. Es ist immer günstig, wenn man vor dem Makler da ist!“

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