Samstag, 1. Dezember 2012

Martina Gerke unter Plagiatsverdacht

So, nun hat also sowohl der Verlag von Frau Kinsella (Goldmann), also auch der Verlag von Frau Gercke (MVG-Verlag) die Reißleine gezogen.
Das Buch "Holunderküsschen", dass in der PDF Datei des MVG-Verlages zwischen "Was ich als Kind dachte" und "Hunde und Katzen würden länger leben, wenn ..." angeboten wird, ist erstmal vom Markt. Gestoppt wurde es augenscheinlich, weil auch für dieses Buch Plagiatsvorwürfe vorliegen: Klick
Und ähnlich, wie bei "Champagnerküsschen", wird auch hier ein Buch von Sophie Kinsella als Original herbeigezogen. Nun waren auch diese Vorwürfe nicht neu, schon im Sommer gab es unter den unglaublich vielen positiven Bewertungen auf Amazon einige, die die Autorin der Abschreiberei bezichtigten. Allerdings ohne wirklich einen Beweis für diese Behauptung anzutreten.
Jetzt sind jedenfalls alle E-Books vom Markt und das Taschenbuch gibts auch nur noch aus zweiter Hand. Als ich das gestern Abend bemerkt habe, war ich ziemlich schockiert. Oder besser gesagt, ich war fassungslos. Fassungslos über die gesamte Entwicklung dieses Buches. Ich versuche mal, Ihnen zu beschreiben, was ich über das Jahr hinweg bezüglich "Holunderküsschen" wahrgenommen habe. Seit November letzten Jahres habe ich die Entwicklung nämlich ziemlich genau beobachtet.
Ich habe das Buch im November 2011 gekauft und den Schreibstil von Frau Gercke habe ich gemocht - auch wenn ich das Buch insgesamt nicht gut fand. Ich war überrascht, welchem Erfolg sie hatte. Mein Buch ist Anfang Januar 2011 auf den E-Book Markt gekommen, da war Frau Gercke schon auf den ersten Rängen gut gebucht. Nach und nach trudelten Rezenzionen ein, über deren jubilierende Inhalte ich mich manchmal wundern musste. Dann und wann habe ich mich gefragt, ob ich das gleiche Buch gelesen habe ...
Frau Gercke ist wie eine Rakete durchgestartet, und zwar so sehr, dass im Frühsommer die ersten Zeitungen auf diesen Erfolg aufmerksam machten. Bei den Literaturbloggern war sie ohnehin schon bekannt und wurde z.T. hysterisch belobigt. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Rezensionen. Ich habe oft schmunzelnd vor dem Rechner gesessen und mit mir selbst gewettet wie lange es diesmal dauern würde: kam nämlich eine 1Stern oder 2Sterne Rezension, dann dauerte es maximal einen Tag bis wieder ein "Jubelperser" an die Reihe kam und dem Werk einen hohen Unterhaltungswert attestierte und man sich bei der Lektüre "vor Lachen nicht mehr eingekriegt hat..."
Frau Gercke hatte mittlerweile einen Verlag gefunden und im Juli erschien das Taschenbuch. Ich war neidisch. Nicht missgünstig. Aber neidisch. So einen Erfolg hätte ich auch gern gehabt. Ich dümpelte mit Rheingau-Roulette im Juli irgendwo unter ferner liefen. Ich konnte mich nur damit trösten, dass ich überhaupt noch mit einer Zahl im Ranking aufgetaucht bin. Von dem Erfolg von Frau Gercke war ich fasziniert. Natürlich auch frustriert, weil mir das Buch nicht so gefallen hatte. Aber ich war immer der Überzeugung, dass die Frau bei so einem Erfolg einiges Richtig gemacht haben muss. Sonst hätte sie nämlich ebenso wie ich auf den hinteren Rängen der Charts ihr Dasein fristen müssen.

Nun ist die weitere Entwicklung wohl bekannt. Angeblich soll "Holunderküsschen" verfilmt werden. Das neue Buch "Champagnerküsschen" ist erschienen und es dauerte nicht lange, bis "AP" ihrem (ich vermute bei der Genre-Kenntnis einfach mal eine Frau dahinter) Frust Luft machte und Frau Gercke in einer Rezension Abschreiberei vorwarf. Und, falls Sie es genau wissen wollen, ich habe den ersten Kommentar auf diese Rezension hin geschrieben, und AP gebeten, diese Vorwürfe zu belegen oder es sein zu lassen. AP hat belegt. Und vier Wochen später ist der ganze Spuk um Holunder - und Champagnerküsschen vorbei und ich sitze abends fassungslos vorm Rechner und denke: "Frau, das gibts doch gar nicht."

Wie kann man sich selbst so etwas antun? Sie kann es doch eigentlich. Auch ohne diese paar abgeschriebenen Zeilen. Und spätestens seit Guttenberg muss man doch wissen, dass abschreiben nicht gut gehen kann. Ich mag abkupfern nicht, aber trotzdem habe ich Mitleid und möchte derzeit nicht in der Haut von Frau Gercke stecken. Ich bedaure sehr, dass sich eine Indie-Autorin auf diesem Weg aus der positiven Wahrnehmung der Öffentlichkeit schießt.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Kommentare:

  1. Ich bin ebenfalls über die Abschreiberei fassungslos aber ich hatte "Holunderküsschen" nach der Hälfte beiseite gelegt (und das ist bei mir eine Leistung!)...Dori

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  2. Hallo Dori,

    was ist die Leistung? Das du solange durchgehalten hast? ;-) Ich habe ab etwa der Hälfte im Schnelldurchgang gelesen. War eben nicht so meins, obwohl ich dem leichten Genre durchaus etwas abgewinnen kann.
    Dennoch kann (oder will) ich mir nicht vorstellen, dass jemand so dreist ist, und Teile eines Werkes kopiert, es einfach so veröffentlicht und sich als die alleinige Urheberin darstellt. Es geht einfach über meinen Vorstellungshorizont. Und es verletzt das Bild, dass ich von Frau G. hatte. Aber (Ent)täuschungen muss man eben hinnehmen ...

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  3. In "heissen" Schreibphasen lese ich gar nichts, nicht mal die Tageszeitung. ich bin so eine, die sich komplett zurückzieht und mit sich alleine sein will.

    Deshalb erfahre ich nicht alles, und bei dem Riesenangebot an Informationen muss der Mensch sowieso "sieben".

    So also habe ich gestern ganz zufällig dieses Thema entdeckt und mich nun bis hierher durchgelesen, vollkommen überrascht davon, dass jemand so etwas macht. Die Vorstellung, ein/e Autor/in könnte wirklich denken, so etwas bliebe unbemerkt - ich kann so etwas nicht fassen.

    Was treibt einen Menschen dazu?
    Nur wegen der 15 Minuten Ruhm?

    Beste Grüsse
    charlotte

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  4. Hallo Charlotte,
    keine Ahnung was einen Menschen dazu treibt. Und ich verstehe es auch immer noch nicht so richtig. Es ist nicht allein die Tatsache an sich, die mich so fassungslos macht. Es ist das Selbstverständnis, mit dem sie erzählt hat, dass sie stundenlang im Kämmerchen gesessen, sich die Geschichte ausgedacht und dann aufgeschrieben hat. Und das finde ich so unfassbar. Ich habe mich gefragt, wie kann man so eine Aktion vor sich selbst vertreten?
    Niemand ist unfehlbar, und natürlich können bestimmte Sätze und ähnlichem Plot "wie abgeschrieben" wirken. Aber in diesem Fall (und bei Betrachtung der PDF-Datei, die die kritischen Absätze gegenüberstellt), da fällt es mir mittlerweile sehr schwer, an einen Zufall zu glauben.

    Herzliche Grüße, Sia

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  5. Hallo Sia,

    zuerst - ich wünsche Dir, Deiner Familie und allen Lesern und Leserinnen Deiner Seite alles in Worte zu fassende Gutes und Friedliches für die bevorstehenden Festtage und alle Tage danach.

    Mit wahrhaft tiefem Frieden im Herzen bin ich allerdings gestern durch ein paar Klicks auf die Seite der oben Genannten gelandet und seither wirklich fassungslos.

    Hatte ich bisher nur die Frage auf den Lippen, wieso jemand überhaupt auf die Idee kommt, von anderen etwas zu nehmen und es als Eigenes zu verkaufen, bin ich nun .... (mir fehlen wirklich noch die Worte)

    Ob sich die Rechtsanwaälte gerade einigen oder nicht, bekommt in der Ansage einen sehr grossen Stellenwert. Dabei ist gerade das nur für M.G. wichtig.

    JEDOCH:

    Die offizielle Erklärung, Entschuldigung und die- an uns alle gerichtete- Belehrung der M.G. ist für mich so etwas wie eine persönliche Beleidigung meines Verstandes.

    Der Öffentlichkeit -und damit auch uns Autoren- etwas von Platzhaltern aus fremden Werken zu erzählen und das mit der Belehrung zu verbinden, wir sollten in Zukunft alle die Ursprungsrechte ernst nehmen - ist nicht mehr nur grenzwertig, sondern unverschämt.

    ich bin gerade dabei- selbst einen Artikel für meinen Blog zu schreiben- und lade Dich gern ein- in den nächsten Tagen dort vorbei zu schauen.

    herzlichste Grüsse
    charlotte

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  6. Hallo Charlotte, magst du deinen Kommentar nochmal bei dem Post "Platzhalter" einstellen? Da gehört er thematisch eher hin und ich kann ihn leider nicht verschieben ...

    liebe Grüße, Sia

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