Montag, 3. Dezember 2012

Eine sommerliche Begebenheit

Eine für mich typische Angst ist, im Autobahnstau mit voller Blase zu stehen und keine Chance auf ein stilles Örtchen zu haben. Was habt ihr Männer es doch einfach. Selbst wenn ich am Straßenrand stehende und das Offensichtliche tuende Männer nicht leiden mag, im Stau habe ich tiefstes Verständnis dafür.

Es gibt für Frauen diverse Hilfsmittel. U.a. eine Art Schale, die in einem Ausguss mündet. Ein Beispiel: hier
Es sieht unpraktisch aus. Und selbst wenn ich damit stehend pullern könnte, ich müsste trotzdem meine Hosen ausziehen. Aber genau da beginnt das, was ich im Umfeld fremder Menschen nicht möchte. Das ist wie beim Stillen im öffentlichen Raum. Mal eben die Brust rauszuholen und das Kind zu stillen, ist kein Thema. Hätte ich aber meinen Oberkörper freimachen müssen, um mein Kind zu stillen, dann hätte ich das bestimmt nicht in der Öffentlichkeit getan. Heute gibt es übrigens Stilltücher, habe ich kürzlich gelernt. Das ist ein langer Schlauchschal, in den man das Baby packt und sich um den Oberkörper legt. Darin liegt das Kind warm und die Mama kann den Rest des Tuches zum Verdecken der Brust nutzen.

Im Spätsommer war ich auf der Rückreise von einem Kurztripp. Ich war allein unterwegs. Morgens hatte ich mich sehr zurückgehalten, was den Konsum von Kaffee und anderen Nierenanregenden Getränken betrifft. Ich wollte nämlich zügig nach Hause und möglichst nicht pausieren müssen. Schon gar nicht wegen einer vollen Blase.
Aber es kam, wie es kommen musste. Nach nicht mal einer Stunde Autofahrt meldete sich meine Blase. Wäre ich auf der Autobahn gewesen, hätte ich noch die Chance auf einen Parkplatz mit WC gehabt, auf Landstraßen ist das fast unmöglich. Einen Parkplatz ohne WC habe ich passiert und nicht angefahren, weil er stark von LKWs frequentiert war. Und ne, auf blöde Sprüche von LKW Fahrern, die einem beim pullern in den Wald zusehen, hatte ich keine Lust.
Kurz bevor ich auf die Autobahn auffahren musste, habe ich mich entschieden. Das Risiko, mit voller Blase auf die Autobahn zu fahren und im Stau zu stehen, war mir zu groß. Ich bin von der Bundesstraße abgefahren in eine schmale Seitenstraße, die sich im weiteren Verlauf in Richtung Wald verzweigte. Im Großen und Ganzen war die Gegend wilde Pampa. Außer zwei Autobahnen, einer fetten Bundesstraße und jede Menge Wald, gabs da nicht viel. 
Okay, am Ende der Straße, die ich mir ausgesucht hatte, stand ein Haus. Aber die Zufahrtsstraße dorthin habe ich gemieden und mich zum Zwecke der Erleichterung für eine kleine Seitenstraße daneben entschieden. Meine Blase tobte.
Ich habe mein Auto mitten auf den Weg gestellt, so dass ich gut abgeschirmt zur Bundesstraße war. Mein Hinterteil guckte durch einen lichten Baumbestand Richtung Haus - aber das war gute 300 Meter weg, das war mir Wurscht. So saß ich da mehr oder weniger "mitten uff der Gass" und pullerte.
Ich muss Ihnen nicht erzählen, wie eine lange unter Spannung stehende Blasenmuskulatur reagiert, wenn man sie dann endlich entspannen kann, oder?
Yep. Egal, was passiert, die Blase lässt sich nicht mehr überreden, noch vorhandenen Urin zurückzuhalten und den Pullervorgang abzubrechen. Man kann dann nur "leer" pullern. Selbst wenn plötzlich ein Auto vor einem steht, in dem offensichtlich der Förster sitzt, der just in diesem Moment den geschotterten Waldweg befahren möchte, auf dem man breitbeinig hockt. Und nicht nur das er da stand. Er hätte ja auch galanterweise ein Stück zurückfahren und dort dezent warten können.
Hat er aber leider nicht. Er hat Kino geguckt. Den Arm lässig am Fenster angelehnt, guckte er mir grinsend zu, wie ich pullerte. Wissen Sie, wie lange Sie im Schnitt pullern? Bestimmt keine dreißig Sekunden. 
Bei mir hörte es nicht auf. Es lief und lief. Gefühlt deutlich länger als sechzig Sekunden. Und der Förster grinste.

Ich bin selten neidisch auf männliche Attribute. Aber das war der Tag, an dem ich verstand, was Penisneid bedeuten könnte.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

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