Mittwoch, 5. Dezember 2012

Sind Sie romantisch?

Ich bin es nicht. Behaupte ich jedenfalls. Sollte mein Mann mal einen Anflug von Romantik haben und z.B. in unserem Wohnzimmer ein Meer von Kerzen anzünden, würde ich ihn vermutlich fragen, ob unser Licht nicht mehr geht.
Bisher habe ich die entrückte Verzückung diverser Geschlechtsgenossinnen, die mir begeistert von dem romantischen Abendessen mit XY, der sie (selbstredend) nach diesem Event "rumgekriegt" hat, erzählten, nie verstehen können. 
Mich hat mal einer "rumgekriegt", weil er ne Parkscheibe bei voller Fahrt aus dem Auto geworfen hat ... Soviel zu meinem Ansatz von Romantik.
Jetzt sind Frauen und Männer ja grundsätzlich unterschiedlich. Auch was das Empfinden von Romantik und ähnlicher Zutaten zum Zwecke der Beziehungsanbahnung anbelangt. Wenn man darüber schreibt, wird meist sehr deutlich, dass sich die weibliche Schreibe über Liebesbeziehungen deutlich von der männlichen unterscheidet. 
Wenn ich auch im realen Leben nicht die superromantische Frau bin, in meiner Schreibe klingt durchaus Romantik durch. Nicht die Art von Romantik, die man befürchtet erwartet, wenn man ein Buch in die Hand nimmt, auf dessen Cover die hingegossene Schönheit in den Armen eines halbnackten, muskelbepackten Schönlings hängt. Und der Blurb hintendrauf wahlweise "von der Lady, die den Outlaw zähmt", oder dem "Lord, der sich zu schönen Unbekannten Schafshirtin hingezogen fühlt", berichtet.
Nein, meine Romantik orientiert sich schon an anderen Dingen, wenngleich meine Schreibe trotzdem deutlich weiblich geprägt ist (und sich auch in erster Linie an Frauen richtet!).
Jetzt lese ich gerade einen Liebesroman, der von einem Mann geschrieben wurde. Und ich kann ihnen sagen, falls Sie es noch nicht wussten: zwischen der Liebesgeschichte, die von einem Mann geschrieben wurde und der, die von einer Frau geschrieben wurde, liegen Welten. Nämlich die Frauen- und die Männerwelten, die sich zwar an den Grenzen begegnen, aber nach innen hin offensichtlich ganz anders funktionieren.

Mein Sohn erzählte mal irgendwann von einem Jungen aus der Schule, der in einer Zwischenwelt lebt. Auf meine Frage, was das ist, sagte er: der gehört nicht in die Jungenwelt, aber weil er ein Junge ist, auch nicht in die Mädchenwelt. Er ist eben in der Zwischenwelt!

Schöner kann mans gar nicht ausdrücken, finde ich. Und ich mach mich jetzt lesetechnisch mal wieder auf den Weg in die "Zwischenwelt". Vielleicht komme ich der männlichen Welt etwas näher!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

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