Samstag, 5. Januar 2013

Ich glaube, ich lasse es sein

In den letzten vier Wochen habe ich ca 10 (deutsche) Bücher gelesen. Bis auf ein Buch waren alle von sogenannten "Indie-Autoren".
Und nachdem ich heute Nacht wieder eines davon zugeklappte (respektive meinen Kindle ausschaltete ...) und mich meinen süßen Träumen hingeben wollte, da kamen sie. Die nervenden Gedanken, ob ich bei diesem Einkaufsverhalten bleiben sollte, oder mich doch wieder mehr den etablierten Schriftstellern zuwenden müsse, um mich nicht bei jedem ausgelesenen Buch zu ärgern.
Ich bin selbst ein Indie. Und auch ich kann nicht jeden mit meiner Schreibweise, meinen Protagonisten oder meinem Plot begeistern oder erreichen. Diesen Anspruch habe ich auch nicht. 
Was aber durchaus mein Anspruch ist, ist meiner Zielgruppe eine sozusagen "durchkomponierte" Geschichte zu erzählen. Mit Anfang, Mitte und Ende. Mit einem Spannungsbogen, der sich langsam aufbaut und dann lang genug gehalten wird, um den geneigten Leser bis zur letzten Seite bei der Stange zu halten. (Die nicht geneigten Leser springen ohnehin früh ab.) Natürlich bin ich der festen Überzeugung, das mir das mit Rheingau-Roulette auch gelungen ist. Bei manchem der Indie-Autoren, die ich gelesen habe, bin ich mir nicht sicher, ob sie überhaupt eine Ahnung von "Geschichten erzählen" haben. Also das, was eigentlich neben einer Idee die Grundlage ist. 
Vielleicht kennen Sie das. Es gibt Menschen, die können erlebte Situationen unglaublich gut erzählen. Weil sie ein Verständnis vom Aufbau und Höhepunkt einer Geschichte haben, egal wie kurz oder lang sie sein mag. Und bei anderen Menschen fängt man zu gähnen an, wenn sie eine Begebenheit erzählen, mag sie (eigentlich) noch so interessant sein. Da wird sich in Nebenschauplätzen verloren, unwichtiges wird zum zentralen Thema gemacht oder aber die Pointe wird versaut, weil sie schon im Anlauf darauf hin zuviel darüber verlauten lassen.

Viele der Indies, die ich in letzter Zeit gelesen habe, haben eine tolle Idee für einen Roman. Eine Situation, aus der heraus sich etwas entwickelt, was sich zu erzählen lohnen würde. Ich schaue mir das Buch und den Klappentext genauer an, weil ich denke: Hoppla. Das klingt aber lustig /interessant /spannend /romantisch /wissenswert.
Und dann fange ich an zu lesen und kaum habe ich den Umfang der Leseprobe verlassen, habe auf "kaufen" gedrückt, werde ich enttäuscht. 
Wieder kein wirklicher Thriller. Keine echte Liebesgeschichte. Kein Sachbuch. Keine witzige Geschichte, sondern eine Ansammlung stereotyper Typen und Handlungen. Zu wenig Phantasie. Zu wenig Gefühl für die Protagonisten, die zu meinem Leidwesen oft genug auch noch ungenau gezeichnet werden. Grausige Dialoge, ohne Verve, ohne Witz und ohne wirklich etwas über die Handelnden preiszugeben. Und ein allgemeines sprachliches Niveau, dass ich auf Groschenroman-Ebene einstufen würde.
Nun ist das an sich nicht schlimm. Auch Groschenromane haben ihre Berechtigung - und ihre LeserInnen. Aber im Laden sind sie deutlich als dieses Genre erkennbar. Im Internet oft leider nicht. Da glaubt man dem Klappentext (und möglicherweise auch den positiven Kritiken) und muss dann feststellen: Nein. Nicht meine Baustelle.

Das nächste Buch, das ich lese, ist ein Richtiges. Ein Hardcover. Von Elisabeth George. Die kann Dialoge, Spannungsbögen, Plotgestaltung und Protagonisten. Und auch wenn ich das ungelesene Buch schon seit mehreren Jahren hier liegen habe, dreimal angefangen habe und es wieder weggelegt habe - jetzt werde ich mich dran trauen. Auch wenn es um Kinder und Verbrechen an ihnen geht, was seit meinem Mutterdasein ein absolutes Lese-No-Go ist.

Aber immer nur Salat macht Appetit auf Schnitzel mit Pommes.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia


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