Freitag, 15. Februar 2013

Aufreger

Gestern gabs einen Shitstorm auf Amazon, ein Spitzensportler ist durchgeknallt, Pferdefleisch wird zu Rindfleisch und ... ?

Jawoll. Morgen wird ne neue Sau durchs Dorf getrieben.

Zum Pferdefleisch kann man ne Menge sagen. Erstmal ist Pferdefleisch an sich nicht schädlich. Wer Salami ißt, hat ja offensichtlich auch nichts gegen Esel in Wurstform, denn die ursprüngliche italienische Salami hatte immer Esel oder Maultier drin.  Bei den meisten Salami-Würsten mag das heute anders sein. Im Grundsatz ist aber Pferdefleisch genauso essbar wie Esel, Maultier, Schwein, Hirsch oder Rind.

Desinformation, oder nur die halbe Wahrheit erzählen, ist immer ein probates Mittel um Stimmung zu erzeugen und den Mob auf Trab zu bringen. Und Vermischung unterschiedlicher Sachverhalte, die von ganz unterschiedlichen Leuten zu vertreten ist, hilft dabei.

Das Pferdefleisch undeklariert verwendet wurde, ist falsch.
Das möglicherweise mit Medikamenten verseuchtes Pferdefleisch verwendet wurde, ist kriminell.
Strukturen zu schaffen, die eben diese Manipulationen ermöglichen, ist Politik. (Danke Europa!).
Zu erwarten, dass man eine Rindfleisch-Lasagne mit 400g Inhalt mit super-Qualität für 1,99€ bekommt, ist dämlich.

Bei Amazon verhält es sich ähnlich. Ich habe den Bericht noch nicht gesehen. Aber auch mit der minimalen Information, dass es sich bei dem ARD-Bericht um Leiharbeiter handelt, die bei Amazon geknechtet werden, weiß man doch schon, was los ist. Und wenn man seine Informationen nicht nur aus der Zeitung mit den großen Buchstaben bezieht, dann weiß man auch, dass es sich nicht um ein Amazon-spezifisches Problem handelt.
Leiharbeiter sind die Sklaven der modernen Zeit. Wenn Sie sich auf dem Arbeitsmarktportal der Agentur für Arbeit umsehen, dann finden Sie unglaublich viele Leiharbeiterangebote. Nicht nur im Billig-Sektor. Und gemeinsam ist allen Angeboten: man wird schlechter bezahlt, als bei einer Direkteinstellung, man wird leichter gefeuert, man bekommt weniger Urlaub (der z.T. auch zwangsverwaltet wird) und man wird zur Verschiebe-Masse zwischen Agentur für Arbeit und Leiharbeiter-Agentur. Diese Leih-Agenturen bieten immer sofort Arbeit an. Auch wenn es der letzte Drecksjob ist und Sie maßlos überqualifiziert sind. Wenn Sie dieses Angebot nicht annehmen, dann sperrt Ihnen die Agentur ihr Arbeitslosengeld. Sie werden übrigens in den meisten Fällen als "Ungelernte Arbeitskraft" klassifiziert. Das ist billiger für die Agenturen. Selbst wenn Sie eine gute Ausbildung haben, können Sie sehr schnell zum "ungelernten" gemacht werden:  schon spätestens nach drei Monaten außerhalb des Jobs haben Sie bei diesen Agenturen den Status "ungelernt".
Praktisch, nicht?

So. Und nun warte ich auf die Sau, die heute durchs Dorf läuft.

Ihnen auch noch einen schönen Tag, Ihre Sia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare werden moderiert. Ich dulde keine sexistischen, diffamierenden oder beleidigende Kommentare.