Donnerstag, 14. Februar 2013

Kennen Sie Jens Spahn?

Er ist MdB (Mitglied des deutschen Bundestages), CDU Abgeordneter und einer, der so richtig mitreden kann.

Ganz besonders, wenn es um Kindererziehung geht. Wie das so ist, bei ledigen Männern in der CDU. Die haben voll die Ahnung, wenn es um (problematische) Eltern-Kind-Beziehungen geht, und ganz besonders, wenn es um die Pubertät geht.
Die wissen auch total gut Bescheid über´s Koma-saufen. Klar, da muss mal einer Klartext reden. Die Eltern müssten ja wenigstens mit mindestens 100 Euro Selbstbeteiligung an den Kosten beteiligt werden, mit der so ein Blag durch den Krankenhausaufenthalt der Allgemeinheit schädigt. Man könnte meinen, der Herr Spahn wäre mit unserer Frau Schröder auf sehr vertrautem Fuss. Da reden zwei von Dingen, von denen sie mehrheitlich nichts verstehen.

Schopau, wie die Intelligenzbestien der Modelzunft so zu sagen pflegen. Wirklich, eine herausragende Stellungnahme, vor der man den Hut ziehen muss. Und mit soviel Hintergrundwissen belegt, wie das nur ein Banker von sich geben kann (... ihre Anlagen sind sicher ...).
Ah, nein. Er ist ja auch noch Gesundheitsexperte der CDU! Jawoll. Da wundert mich ja gar nichts mehr. Wenn er sein Studium an der Fernuni Hagen wenigstens dann dem Thema Gesundheit gewidmet hätte, könnte ich das ja noch nachvollziehen. Aber er studiert Politologie und Rechtswissenschaft. Das sind natürlich die besten Voraussetzungen, um sich zu Gesundheitsfragen zu äußern.

Tja. Wollen wir doch mal schauen. Destatis (das statistische Bundesamt)  hat da eine Übersicht veröffentlicht (Klick).
Also, in der Altersgruppe von 10 bis 20 Jahren wurden im Jahr 2011 genau 22 175 Patienten mit alkohol-induzierter Diagnose behandelt. Im Jahr 2010 waren es 21 907 Patienten, das bedeutet, die Anzahl derer, die in 2011 wegen einer Alkoholintoxikation stationär behandelt wurden, stieg um exakt 268 Personen.
Ob das aber Personen über 18 Jahren sind, wird in dieser Tabelle nicht erfasst. Personen über 18 Jahren sind volljährig. Ihr Alkoholkonsum ist entsprechend dieser Tatsache auch nicht als Alkoholkonsum eines Jugendlichen zu bewerten. Es könnte also durchaus sein, dass es mehr junge Erwachsene sind, die im Krankenhaus behandelt wurden. Und nein. Da hört meine Verantwortung als zahlendes Elternteil einfach auf. Mit 18 darf man wählen. Also darf man auch trinken. Das mag mir als Elternteil fürchterlich sein, aber bestimmte Dinge muss ich bei meinem erwachsenen Kind einfach hinnehmen. Ob die Personen tatsächlich als "Koma-Säufer" zu beschreiben sind, oder wie hoch letztlich die Alkoholwerte waren, geht aus den statistischen Daten auch nicht hervor. Nicht jeder, der wegen erhöhtem Alkoholkonsum im Krankenhaus landet, ist auch bis zur Besinnungslosigkeit betrunken.
Und, nur mal als Gegengewicht (okay, der Vergleich hängt etwas, aber sagt immerhin auch etwas aus.): Im Altersrange zwischen 40 und 50 Jahren waren immerhin 35508 Personen wegen Alkohol stationär behandlungsbedürftig. Na, in dem Alter könnte man es doch wissen, oder?

Es ist keine Frage, dass Alkoholkonsum unter Kinder und Jugendlichen (und hier meine ich tatsächlich unter 18 Jahren) kritisch betrachtet werden muss. Aber solche Äußerungen, wie von Herrn Spahn, die sich durch das Fehlen jeglicher Sachkenntnis auszeichnen, werden dem Problem nicht gerecht. Es ist albern, dumm und in hohem Maße an dem eigentlichen Problem vorbeigeschwätzt.

Herr Spahn, Sie sind Motorradfahrer. Ich plädiere ja dafür, verunfallte Motorradfahrer mit der Hälfte der Behandlungskosten an ihrem Krankenhausaufenthalt zu beteiligen. Immerhin sagt die Statistik, dass im Jahr 2011 30 680 Motorradfahrer verunglückt sind, das sind 3711 Personen mehr, als 2010. Das Motorradfahrer deutlich gefährlicher leben und fahren, dürfte auch für Sie nicht Neues sein, insofern ist das Motorradfahren genauso verantwortungslos, wie die Verantwortungslosigkeit, die Sie de facto Eltern unterstellen, deren Kinder betrunken in der Notaufnahme landen.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia Wolf

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